Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Fechner's Seplonlehre 125w. 21 ein schwacher Nachklang der Erinnerung sein. Bedenken wir, dass auch in der menschlichen Seele hienieden, je fester sich die Sinne vor der Aussenwelt verschliessen, je mehr sich die Umwelt für sie verdunkelt, desto wacher und heller die Erinnerung wird. Der Tod schliesst die Sinne für immer, darum kann auch kein Erwachen von Erinnerungen so stark sein wie im Tode. Das Anschauungsleben geht eben im Tode nicht unter, sondern es geht auf, es wird gesteigert emporgehoben in ein höheres Leben. Von der Intensität dieses Anschauungslebens können wir uns freilich keine rechte Vorstellung machen. Erinnert mag aberan die bekannte Tatsache werden, dass Menschen, die vom Tode durch Erhängen und Ertrinken oder vor dem Aufschlagen auf den Boden bei einem Niedersturz aus grosser Höbe im letzten Augenblick gerettet wurden, berichten, wie ihr ganzes Leben, also viele hunderte, vielleicht tausende von Ereignissen im Verlauf von wenigen Sekunden mit wunderbarer Helligkeit blitzartig an ihrem geistigen Auge vorüberzogen. Man könnte vielleicht einwenden, dass der Mensch doch auch im Schlafe alle Sinne schliesst und doch mit d n Anschatiungsl eben zugleich das Erinnerungsleben in Nacht sinkt. Doch man muss eben die zwei ganz verschiedenen Fälle der Verdunkelung des Sinnenleb♦ ns auseinanderbalten. Solange der beteiligte Geist im ganzen wach, d. h. sich seiner selbst bewusst bleibt und nur einzelne Sinne ausser Tätigkeit gesetzt werden, wird das Erinnerungsleben um so heller, je fester sich die Sinne schliessen. Der andere Fall der Verdunkelung ist der des traumlosen Schlafes, wenn der ganze Geist zeitweilig das Bewusstsein seinerselbst verliert. Wenn der höhere Geist, dem wir in Diesseits wie im Jenseits angehören, auch einmal in einen traumlosen Schlaf verfallen könnte — es mag dahin gestellt sein, ob ein solcher Fall möglich ist — dann würde in der Tat auch das Erinnerungsleben, das die Geister das Jenseits in ihm führen, zugleich mit dem Anschauungsleben, das die Geister des Diesseits in ihm führen, so lange in Nacht versinken, bis er wieder erwacLte. Aber wenn wir sterben, so schläft damit der höhere Geist nicht