Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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16 Fechner’s Seelenlehre usw. daran zu glauben, dass diese Welt die beste aller möglichen Welten sei: Kurz wie löst sich uns das Problem der Theodicee. Es ist bekannt, dass alle bisher versuchten Lösungen nicht völlig befriedigen, auch nicht die zuletzt von Max Brod gegebene Unterscheidung zwischen edlem und unedlem Unglück. Es handelt sich ja vor allem um jenes bekannte Trilemma: Weiss Gott von dem Uebel nichts, dann ist er nicht allwissend, weis8 er von ihm und kann es nicht hindern, dann ist er nicht allmächtig, weiss er aber von ihm und vermag er es zu verhindern, will dies aber nicht, so ist er nicht allgütig. Die allgemein-jüdische Auffassung nimmt um des strengen Monotheismus willen jenes Trilemma in den Kauf. Er spricht mit Jesajau: יוצר איר ובורא חשך עדשה שלום ובורא רע Gott ist schaffend das Böse. Es hat mit diesen Worten gegen den Dualismus der persischen Religion protestiert und legt mit ihnen durch die beiden letzten Jahrtausende Verwahrung ein gegen jeden Versuch, dem Bösen ein völlig selbständiges Reich einzuräumen, das eine von Gott abgefallene Welt repräsentiert, Versuche, die innerhalb des Christentum» trotz aller Verklausulierungen und aller Verfeinerungen, die die Iiypostasierung des Teufels und der Dämonen in religionsphilosophischen Erörteruügen gefunden, aas Bekenntnis zu einem reinen Monotheismus verhindert haben. Und dennoch wird es uns immer dazu drängen, den Widerspruch, in den uns jener scharf betonte Monotheismus verstrickt, zum mindesten zu mildern. Ich glaube, auch hier können wir eine Strecke mit Fechner zusammengeben. Er behauptet kein Reich des Bösen neben Gott. Aber so wie hinsichtlich der menschlichen Willensfreiheit der Willen des Menschen, trotzdem er in Gott ist, unabhängig von Gott ist, wie der menschliche Trieb in der menschlichen Seele im Verhältnis zu deren Willen, so ist es auch das Böse und das Uebel in Gott. Nicht wie Spinoza in seiner übertrieben intellektualistisch gerichteten Ethik die Laster und alles Böse nicht als positiv Böses sondern nur als Unvollkommenheiten ansieht, als Stufenfolgen im Reiche der Vollkommenheit. Das Böse ist ein Böses, das Uebel ist ein Uebel, und es ist in