Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2293034-2293036--07383-2300665- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Fechner’s Seelenlehre usw. 9 alle Weise sucht sie sich Gott zu nahen, und sie wird nicht satt zu sinnen und mit sich selbst zu kämpfen, wie sie Gott am besten dienen mochte und reicht damit doch nur zum Saume seines Kleides. So wird es sein mit allen Sternen, in allen wird der höchste Gedanke Gott, und Gottesdienst das höchste Geschäft heissen“. Nicht an allen — das ist im Rahmen dieser Abhandlung nicht möglich — aber an einigen Kehren des Judentums soll der Nachweis erbracht werden, dass sie bei Fechners Seelen• lehre in höherem Grade vorstellbar werden. Zuerst: Mit der Seelenlehre Fechners ist allein das vom Judentum angenommene Attribut der Allgegenwart Gottes so zu begründen, dass sie vorstellbar ist. Wir müssen uns schliesslich, wenn wir jenes Attribut aussprechen, auch etwas dabei denken können. Wenn der Dichter der ״Eiahei tsgesänge“ (III) sagt: הם בלם בך ואתה בבלם — סיבב הבל ומלא את בל ונהרת הבל אתת בבל: *Sie alle sind in Dir und Da bist in ihnen allen — Du umfasst das All und erfüllst alles, Da bist ja das All darum bist Du iu allen,“ so kann das nur in dem Sinne genommen werden, dass der Geist Gottes sich wirklich bis in die weitesten, besondersten und auf der niedersten Stufe stehenden Ausläufer des Alls erstreckt, dass eben alles in des Wortes eigentlichster Bedeutung vom Geiste Gottes erfüllt ist. Das הרק אדו בב<ל gilt demnach von allen Bestandteilen der Welt, uni es ist nur die rechte und Gottes würdige Ausprägung dieses Gedankens, wenn wir das Reich des bewussten Seelenlebens so weit wie irgend vorstellbar ausdehnen, nach unten und oben über die uns geläufige Anschauung hinaus. Die Gefahr, dass der Monotheismus sich durch eine derartige Auflassung unversehens in einen Pantheismus wandelt, ist freilich gross. Ueberbaupt ist ja die Metaphysik Fechners der Spinozas ausserordentlich ähnlich. Beide wenden sich ebenso gegen die rein materialistische wie gegen die rein spiritualistische Auffassung, beide sind als Ideutitätsphilosopbie anzusprechen. Nach beiden ist der Parallelismus im Ablauf des Körperlichen und Geistigen nicht nach der Art der prä-