Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Fechner’s Seelenlehre usw. verjüngt wird, wenn Gott seinen Geist wieder aus sieh ent• lässt, dass dann alle Bäume wieder ausschlagen und alle Blumen spriessen. Darüber, dass die Bibel eine innige Verwandschaft zwischen Tier- und Menschenseele an nimmt, zu sprechen erübrigt sich. Die bekannte Anklage Schopenhauers von der Kluft, die nach der Bibel Tier- und Menschenseele scheidet und aus der das gleichgültige Verhalten gegen die Qual der Tiere entspringe, ist in ihrer Sinnlosigkeit schon wiederholt gebrandmarkt worden. Es sind ja nicht allein die zahlreichen Thoragebote, deren Grund offenbar in den Verpflichtungen des Menschen gegen das Tier, dagegen ins Gefecht zu führen. Nein, die Vergleiche fast für alles, was das Menschenherz bewegt, werden aus dem Tierleben entnommen, die Tiere leiden und freuen sich mit den Menschen, man könnte wohl keine einzige Stelle nennen, 1n denen ihnen die Seele abgesprochen wird, ja die einzig richtige Erklärung von Koheleth 3,19 lässt es zweifelhaft, ob den Tieren nicht auch eine Art Unsterblichkeit zuzusprechen sei Und so sind auch die Gestirne für die Bibel nicht Feuermassen, die unbeseelt ihres Weges gehen. Es ist wiederum kein blosses Bild, wenn die Sonne, wie ein Bräutigam aus der Kammer tritt und sich wie ein Held freut, ihre Bahn zu durcheilen, dass Sonne Mond und Sterne Gottes Lob verkünden ״wenn alle Morgensterne zusammen ihren Jubelgesaug anstimmen, wenn alle Göttersöhne jauchzen“. Es ist kein blosses Bild, wenn Gott die Sterne alle mit Namen ruft, wenn die Sonne sich schämt und der Mond errötet, wenn Gott Gericht abhält über das nHeer des Himmels^ wie über den Menschen. Diese höchsten Diener Gottes sind alles beseelte Wesen, deren weitumfassende und die des Menschen weit überragende geistige Eigenart aus den oben angegebenen Gründen vielfach aus dem Bewusstsein gedrängt wird, aber sich oft mit der ganzen Wucht der ursprünglich von ihnen herrschenden Vorstellung geltend macht. Sie sind die rechten Engel, die Helden der Kraft, die Vollstrecker von Gottes Wort, seine Heerscharen, seine Diener, die seinen Willen ausführen, wenn auch in den