Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 555 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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BücherbesprechuDgea 555 ^S. 22) aus seiner Kindheit besonders gegenwärtig. Die eine unter dem Weihnachtsbaum: natürlich und vertraut, die andere ein zufälliger Besuch seiner Grossmutter im Tempel am Jomkippur: fremd und beängstigend, Religiös völlig entwurzelt geht er als Kind in die Sonntagsschule der Presbyterianer, um dann wieder in den Bann des Katholizismus gezogen zu werden, als er mit einem irländischen Freund einer Messe beiwohnt (S 153). Und dennoch hängt ihm überall der Jude an. Nicht nur, dass er trotz allen hervorragenden Leistungen an keiner Universität festen Fuss fassen kaum bei allem Gerede über Demokratie und Freiheit er als Jade von den Gruppen und Grüppchen, die die Entscheidung in Händen haben, abgelehnt wird. Aach das jüdische Herz verleugnet sich nicht. Wie die Eltern alle ihre Hoffnungen auf ihn setzen, wie für ihn selbst es immer das grösste Martyrium bleibt, dass er nicht כבוד אב ואס üben, die Eltern aus dem physischen und psychischen Eiend nicht befreien kann, in das die einst 80 angesehene und geistig hochstehende Familie durch ihre Auswanderung nach Amerika geraten 1st, das kann man nicht ohne Ergriffenheit lesen. Dies schauerliche Doppel- *eben, das dieser seinem Volke dem Blute nach Angehörige, der religiösen Wesensart aber völlig entfremdete Jude führt, ist das was uns als Juden an diesem Buche besonders aufrührt. Und es ist nicht zuletzt eine echt jüdische Eigenschaft, dass der Vf. in unerschrockenem Wahrheitsmate den Amerikanern der Jetztzeit ihr Bild vorhält, die Heuchelei geisselt, die in der Verkündigung und Anpreisung der höchsten Ideale zu Tage tritt, das Banausentum vieler Professoren und der meisten Studenten, die Lüge in den ungeheuerlichen Anklagen gegen das Deutschtum während des Weltkriegs. Er ist ein unermüdlicher Kämpfer für den Individualismus, für die wahre Freiheit. J. W. Mendale Moicher Sfurim. Gesammelte Werke. Autorisierte Uebersetzung aus dem Jiddischen von Salomo Birnbaum. I. Band: Schloimale. V. Band : die Mähre. Jüdischer Verlag, Berlin 1924. Die Schriften S. A. Abramowitsch sind dem ostjüdischen Leserkreise uud den Juden Westeuropas, die den Weg zum Mammeloschaun wieder gefunden haben, allziibekannt, als dass einer ihnen Neues sagen könnte. Wie wirken sie in deutscher Uebertragang? Wir müssen offen gestehen: Für diejenigen, die das Original kennen, ernüchternd. Es gehört nun einmal zur Milieuschilderung die Sprache der Milieus. Wie bedeutend aber der Inhalt ist und die Gestaltungskraft des Dichters wird einem so recht bewusst aus der Wirkung, die diese Neuherausgabe auf Nichtjuden geübt, aus den geradezu begeisterten Besprechungen, die in den angesehensten Zeitungen Deutschlands erschienen sind. Und so freuen wir uns, dass eine so einzigartige Darstellung des Schicksals des Judentums wie sie in der uns so lang vertrauten ״Klatsche״ gegeben, ist, den Weg auch zu nichtjüdischen Herzen findet. h.