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Jeschurun · 1924-11-01 · Heft 11-12 (November 1924) · p. Seite 551

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Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 11-12 (November 1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 551 (sequence 77)
Language
German
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Volksschule oder höhere Schule? 551 kreise gerechnet, im geometrischen Unterricht Formen aus dem jüdischen Gedankenkreise behandelt werden, im Geschichtsunterricht und der Erdkunde könnten jüdische Gesichtspunkte ausführliche Berücksichtigung finden, so dass die jüdische Kultur wirklich — ganz anders als heute — im Mittelpunkt der Schule stehen würde. Den tatsächlichen Charakter als höhere Schule verleiht nun entsprechend den Tendenzen der Neuordnung des höheren Schulwesens der intensive Unterricht auf jüdischem Gebiet. Was im Gymnasium der altsprachliche Unterricht, im Realgymnasium der nensprachliebe, in der Oberrealschule der mathematisch-naturwissenschaftliche Unterricht leisten soll für die Ausbildung des Geistes und wissenschaftlichen Denkens, das würde in der jüdischen Schule der jüdische Unterricht leisten. Und dass die-e Disziplinen nicht weniger zur Ausbildong des Geistes und Denkens beitragen können, als die anderen in den allgemeinen Schulen, das bedarf wohl vor diesen! Lesej kreis keiner ausführlichen Erörterung. Die jüdische Volksschule würde zwar der Form nach dem Staate gegenüber eine Volksschule, de facto dem Büdurgswert nach und für die jüdische Oeffentlichkeit eine wahre höhere Schule sein. Freilich wird sich dabei eine grosse Frage ergeben. Reicht diese Bildung für praktische Zwecke, vor allem für das kaufmännische Lehen aas? Ist nicht vor allem die Kenntnis fremder Sprachen zum Fortkommen anentbehrlich? Und die Aufbauschule, welche die Volksschule ergänzen soll, führt ja nur zur Universität, nicht zum praktischen i eben, ist auch nur für recht begabte Schüler ein gangbarer Weg, nicht für die Allgemeinheit. Da* Bedenken halte ich für gerechtfertigt. Deshalb schlug ich die Einrichtung von ein- bis zweijährigen Kursen vor, die auf die allgemeine Volksschule aafzasetzen waren. Bei intensiven, rein aufs Praktische gerichtetem Betrieb lassen sich angesichts der fortgeschrittenen Reife der Schüler mit viel geringerem Aufwande an Zeit, als in der höheren Schule, die Kenntnisse vermitteln, die fürs praktische Leben erforderlich sind, so dass auch in dieser Beziehung die Einwürfe der Elternschaft• zu entkräften wären Denjenigen Schülern aber, welche das Abiturientenexameu bestehen und studieren wollen, stände als Weg die Aulbauschule offen, ein Weg, den auch die jüdischen Lehrer nach der Neuordnung der Lehrerbildung beschreiten müssen. Ich will hier nur andeuien — eine ausführliche Behandlung wäre zwar erforderlich, fällt aber aus dem Rahmen dieser Anregung heraus — dass auch das Problem der jüdischen Lehrerbildung auf diese Weise meines Erachtens am besten gelöst werden könnte. Die Berechtigungsfrage, die früher eine grosse Rolle gespielt hätte, ist zur Zeit nicht so dringend, da das sog. ״Absckiu8sexamen% d. b. die VersetzUDgsprüfung nach Obersecunda bei weitem nicht die Bedeutung hat, wie früher das ״Einjährige״. Sollte aber die jüdische Geschäftswelt auf ein solches Examen durchaus Wert legen, so könnte man nach Abschluss der ״praktischen Kurse“ vielleicht eine vor jüdischem Forum abzulegende

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