Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 550 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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500 Volksschule, oder höhere Schule? bereits eine Konzession an ältere Strömungen. Das gebt klar aus den diesbezüglichen Diskussionen auf der Schulkonfereoz von 1920 hervor. Um nun den neueren Strömungen entgegenzukommen, bat sie deshalb einen neuen Weg?um Studium geschaffen in der sog. ״A u f b a u s c h n 1 e% die sich auf die Volksschule aufsetzt. Diese führt in 6 Jahren im Wesentlichen za demselben Ziele wie die alten Formen der höheren Schule in 9 Jahren. Sie ist für begabte Voiksscküler geschaffen worden, denen ein schnellerer Weg zur Ausbildung geboten werden 8011. Einen zweiten für uns sehr beachtenswerten Gedanken hat die neueste Reform der höheren Schulen gebracht. Sie bricht nämlich mit dem Ideal der Allgemeinbildung und stellt statt dessen 5 von einander verschiedene Typen von höheren Schulen auf, von denen jeder nur ein Gebiet der höheren Bildung pflegt, während allen gemeinsam die sogenannten kulturkundiichen Fächer (Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Religion etc,-) sind die schlies91ich auch neben Mathematik und Naturwissenschaften Unterrichtsfächer der Volksschulen sind. Diese beiden Grundgedanken des modernen Schulauibaas scheinen mir nun folgenden Weg für die jüdische Schule zu eröffnen, bei dem, wie ich glaube, viel Zeit für den jüdischen Unterricht gewonnen werden kann. Man schaffe nicht höhere Schulen, sondern Volksschulen, die wir ja überdies nach dem Gesetz schaffen müssen. Auf diese Schulen werden einerseits Aufbauschalen aufgesetzt für diejenigen Schüler, welche sich auf das Abituriam vorbereiten wollen, andererseits ein- bis zweijährige Kurse, welche speziell die für gewisse Berufe notwendigen sprachlichen und sonstigen Kenntnisse vermitteln. Dadurch gewinnen wir folgendes: Bis zum 14. Lebensjahre ist neben der Muttersprache die einzige Fremdsprache Hebräisch. Und wer da weiss, wie viel schwere und zeitraubende Arbeit auf die Erlernung welcher Sprache auch immer auf der Unterstufe za verwenden ist, der kann ermessen, welche Entlastung die Ausschaltung der Sprachen für die jüdische Schule bedeutet. Eine Entlastung bezüglich der Zeit! Die Stundenzahl in der Volksschule ist an sich bedeutend kleiner als in der höheren Schule. Die gewonnenen Stunden lassen sich ohne weiteres für den jüdischen Unterricht verwenden. Die einzelnen Stunden sind länger, sie dauern 50 Minuten, statt 45. Der Zeitgewinn dadurch ist beträchtlicher, als man auf den *ersten Blick glauben möchte, er bei ragt nämlich bei 30 Schulstunden, 2 3 Stunden in der Woche. Die Zahl der Religionsstunden, die dem jüdischen Unterricht ohne Weiteres zu gute kommen, ist grösser. Dazu kommt, dass die auf die einzelnen Fächer entfallende Zahl von Wochenstunden grösser ist, a;s in der höheren Schule. Dadurch wird euerseits das Mass der Hausarbeit vermindert — eine sehr fühlbare Entlastung der jüdischen Schule — andererseits lässt sich ein Teil der gewonnenen Stunden für den indirekten Ausbau des jüdischen Unterrichts verwenden. Im deutschen könnten jüdische Lesestoffe gelesen, im Rechenunierricht Aufgaben aus dem jüdischen Gesichts-