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Jeschurun · 1924-11-01 · Heft 11-12 (November 1924) · p. Seite 542

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 11-12 (November 1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 542 (sequence 68)
Language
German
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542 Ueber die sittliche Welt Jede Kreatur geht ihren eigenen Weg des Alleinseins und des Verbundenseins mit den Anderen. Jede Kreatur reift in sich und reift in den Anderen. Ihr eigenes Schicksal, mit eigensten Nöten und Verzückungen, mit eigensten Qualen und Erlösungen — muss jede Kreatur vollenden. So einzigartig wie es nur irgend in ihrem Wesen bestimmt sein mag. Und doch geht sie gerade so ihren Weg zu Gott. Dies ist das tiefste und immer wieder in Jedem neue Wunder aller Kreatürlichkeit. Dies das Freieste und zugleich das Gebundenste, nämlich in Gott. - Jetzt gewinnt Sterben und Tod eine neue fast mystische Bedeutung. Als Gesetz und Schicksal haben wir sie oben erkannt, jetzt erkennen wir sie noch als Symbol. — ->r ■* Symbol: Das deutet auf ein Anderes, w ohl Umfassendes, das sich dahinter verbirgt. — Symbol im Sterben und im Tode: Ein Anderes, wohl Umfassendes, verbirgt sich dahinter. Was ist dies? Nichts weniger als des Menschen und aller Kreatur eigenstes Wesen: Die beiden Pole seines Seins: Die Einzigartigkeit und die Allgemeinheit, die Individualität und die Aliw^eltlichkeit, sein Winzigsein und seine Grösse. Auch der Tod führt in Gott. Deshalb heisst das Sterben auch: Das Sich-Vollenden. Ein Erdendasein findet seinen versöhnenden Abschluss — in Gott. Der notwendige Zwiespalt ist gelöst, der Tote liegt ruhig da, als schliefe er nur. Und jeder fühlt’s; Zwei Welten gehört er an: Den Menschen und der Unendlichkeit. So voll־ zieht sich der Tod als Vollendung. Niphtar Nisehmosau. Die Seele wurde befreit. Ein göttlicher Kuss hat sie hinweg־ getragen. — Jenseits des Natur־ und Schicksalshaften von gewaltiger Symbolbedeutung. Der in einzelkreatürlichen Umhüllung nicht zur letzten Entfaltung fähige Unendlichkeitssamen hat sich in Gott zum Baume emporgewachsen. Noch liegt der Tote da: ruhig, als schliefe er nur. Seines ganzen Lehens Geheimnis

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