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Jeschurun · 1924-11-01 · Heft 11-12 (November 1924) · p. Seite 541

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 11-12 (November 1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 541 (sequence 67)
Language
German
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BH Ueber die sittliche Welt 541 seiner Hüften Gart. Und es weilt der Wolf mit dem Lamme, und der Tiger lagert beim Böcklein, Kalb und Leu und Stier zusammen, es führt sie ein kleiner Knabe. Und Kuh und Bär weiden, geeint lagern ihre Jungen, und der Löwe wie $in Rind isst Stroh. Es scherzt der Säugling in der Natterhöhle, ins Grab des Basilisken reicht das lächelnde Kind die Hand. Sie tun sich kein Leid und kein Verderben auf seinem heiligen Berg. Denn voll ist die Welt de3 Wissens um Gott — wie Wasser die Meerestiefen bedecken. — — — * * * Zugleich ist in der sittlichen Welt die freie Persönlichkeit gesetzt. Aus dem Zwang und Kausalzusammenhang seiner Triebe und Affekte hat die Selbsterkenntnis den Menschen emporgehoben. Diese Selbsterkenntnis ward bald auch die Erkenntnis der grossen Menscheneinheit und der Einheit mit der ganzen Welt. In der Harmonie führte sie zur beginnenden grossen Schau. — Und doch soll jetzt gerade, — wo anscheinend so viel Aufbindung und Auflösung der individualistischsten Zusammenhänge geschieht, — gerade jetzt soll die freie Persönlichkeit erstehen. Ganz begriffen wird es erst später. Doch schon jetzt ist’s klar. Indem diese Einheit von Allmenschlichk&t und Weltsein darin zur Gestaltung ringt, ist doch die Selbständigkeit und Würde jedes Einzelwesens gesichert. Indem es seine kleine begrenzte Menschlichkeit und Irdischkeit vollzieht, vollzieht es ganz notwendig auch seinen Weg zur Grösse. Jede Kreatur geht ihren Weg des Schicksals und der Personalexistenz, und doch auch gerade jede Kreatur ihren Weg der Erlösung und der Reife. Indem sie ihn ganz persönlich geht, im Hinblick auf das Ganze, geht sie ihn auch im Zusammenhang mit dem Ganzen, im Zusammenhang mit Gott. Das werde ich noch später erklären. Als freie Persönlichkeit geht sie. Frei: Indem sie des eigenen Lebens Schicksal und Notwendigkeit auf sich nimmt und vollendet. In dieser Freiheit findet sie gerade den Weg zu Gott. — 5

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