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Jeschurun · 1924-11-01 · Heft 11-12 (November 1924) · p. Seite 540

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 11-12 (November 1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 540 (sequence 66)
Language
German
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540 Ueber die sittliche Welt Soweit als Menschen denken können, 80 weit reicht auch das Sittengesetz, und seine Tragweite nmspannt alles Seelentum. Zwar kommen auch hier theoretisch und praktisch alle Ein wände. Und von den ältesten Skeptikern Ms auf der! heutigen Tag war es doch stets der gleiche Zweifel und das gleiche hämische Lächeln, und die Welt der sittlichen Werte, ja die im Guten erst konstituierte Welt sollte nun zerstört sein, eine lächerlich aufgeblähte Seifenblase. Auch hier wird eine, aller oben bei den theoretischen Elementen vorgebrachten ähnliche Kritik möglich und wird auch geübt. Jetzt aber in einer ganz ab gewandelten Weise. Liebe und Gerechtigkeit: Zwar auch sie zunächst und anscheinend nur eigentümlich der Menschlichkeit. Aber mit der ihnen eigentümlichen Gewalt sprengen sie bewusst den mütterlichen Boden und müssen sich zu universalen Mächten erweisen. Die sittliche Verbundenheit wird zu einem neuen Welt- Zusammenhang. In Liebe und Gerechtigkeit soll ein grosses Band um al!8 Kreatur gewunden sein. Und — wie wir noch sehen werden — erweitert sich dies zu einer Harmonie-Welt mit ihrem jetzt schon als göttlich erkannten Gesetz. In der höheren Anschauungswelt erschauen wir den Kosmos, in Liebe und Gerechtigkeit geeint. Die Sittlichkeit als Weltgesetz führt zur Welt der Göttlichkeit. Die Harmonie ist das eigentliche Seelen- und Weltprinzip geworden. Das Gegensätzlichste noch ist versöhnt — in Gott. In seinem Geiste des Lebens Vielfalt geschlossen, und die Bosheit vernichtet. Dies bedeutet bei Jesajas die messianische Schau vom Reis aus dem Stamme Jischai’s. Der Geist des Ewigen ruht auf ihm, der Geist der Weisheit und Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und Gottesfurcht. Sein Wohlgefallen ist Gottesfurcht, nicht richtet er nach Augentrug, nicht nach dunklem Gerücht der Ohren entscheidet er. In Gerechtigkeit richtet er die Armen, mit Geradheit leitet er die Gedemütigten der Erde. Die Erde schlägt er mit der Geissei seines Mundes — im Hauch seiner Lippen tötet er den Bösen. Gerechtigkeit ist das Tuch seiner Lenden, Treue

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