Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 539 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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lieber die sittliche Welt 539 und politischen Lebens entzündete Gerechtigkeit. Sie bleibt der einzig-wahre Geist der Revolution. Alles andere aber ist eitel, vergänglich und notwendig zum Untergang bestimmt. — Zugleich gehört es aber zum Wesen der ganzen menschliehen Gesellschaft, dass sie — als Natur&lwelt — all den Notwendigkeiten folgt, die wir oben erwähnt haben. In der Tat scheißt es ein immer mehr zunehmender Einzelegoismus zu sein. Und aus all dem entwickelt sich der Zustand, den schon die Alten den Krieg Aller gegen Alle genannt haben. Das ist die Naturalwelt. Hier sind die Menschen ganz in ihren Affekten und Trieben befangen und hasten sich darin zum Tod. Bellum omnia contra omnes: Dieses Totentanzes trauriger Refrain. Hier fundiert alles empirische menschliche Dasein in seiner Mannigfaltigkeit and die ganze menschliche Sozietät. Und doch führt sich dieses Totentanz-Prinzip selbst ad absurdum ganz wie die Ufer- und Mittelpunktslosigkeit des einzelnen Daseins sich überwinden musste in der Selbsterkenntnis. — In der wahren Gemeinschaft leuchtet auch der Sozietät ihre ewige Morgenröte. Eine Erlösungszuversicht ist tief in diesem spröden menschliehen Stoff versenkt. In den grossen religiösen Bewegungen, in den Philosophien und sozialen Revolutionen ringt sie sich empor. Und so bleibt der echte Geist der Revolution dem ganzen geistigen, sozialen und politischen Leben ur- und wesenseigentümlich. Das Gute will sich durchsetzen in höchster Macht. — Besonders die heutige Zeit hat den Begriff des Guten bedenklich verwirrt. Er wurde verschwommen psychologisiert und pragmatistisch abgewandelt. Aus einer Lebensnorm hat man ihn zu einer Funktion aller möglichen Lebenszusammenhänge gemacht und relativiert. Für uns bedeutet er einen immanenten Wert und Sinn des menschlichen Daseins in seiner Fülle. Er steigt aus der menschlichen Seelentiefe und umschreibt die ewigen Gesetze des Herzens.