Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 534 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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634 Ueber die sittliche Welt Problematik. Verwunderung über uns selbst und Ratlosigkeit voraus. Je vielfältiger wir sind, umso fragwürdiger werden wir״ Und jeder Mensch ist ja viel faltig genug. Jetzt gilt'», an’s Tageslicht das Ewige fördern, das hinter aller menschlichen Tägliebkeit und Alltäglichkeit sich verbirgt und dennoch darin wirkt. Wohl in jedem Menschen schlummert dieser Drang, aber die Wenigsten nur vollenden und gestalten ihn. Des Lebens Hast und rasende Verwandlung ist der eigentliche Gegenpol solcher Selbstbesinnung, Selbstbewirkung־ und Verwirklichung. Und dennoch vollziehen sie sich gerade in dieses Lebens Hast und rasender Verwandlung. Die Wenigsten erreichen es, aber alles menschliche Dasein ist davon im Geheimen geprägt. Und alle Irrungen und Feblziele, alle Entgleisung und noch jeder Zusammenbruch sind Umwege dazu. So unzerstörbar ist das Ewige im Menschen vorgebildet. In der Selbsterkenntnis erkennen wir unsere ganz einzigartige individuelle Person — und zugleich das allgemein menschliehe Gesetz. Selbstverständlich nicht ganz ausreichend und restlos, aber in Zeichen, Symbolen und Ausschnitten. Wir können unser individuelles Dasein in unser begrenztes Wissen heben, und zugleich unser allgemein-menschliches und naturhaftes Dasein. In solchem Wissen bilden wir dann unsere Lebensform. — Unser individuelles Dasein: Wir leben ein kurzes Leben, mit viel Sehnsüchten und Wünschen, mit inneren und äusseren Zielen. Wir haben Ehrgeiz und möchten nach unserer Weise wirken. Wir streben nach Macht, nach Ueberholung der Anderen, und nach immer mehr. Weit spannen wir unsere Herzenswünsche, viel Liebe und Hass steigt daraus hervor. Wir sind Ich, mit allen Leidenschaften und auch höheren Zielen. — Schon die Tatsache dieser selbstbesicnenden Erwägung entkleidet uns der eitlen Vergänglichkeit. Wir erkennen uns, als seien wir uns fremd. Rechten mit uns und wissen, dass Vieles so nicht verbleiben darf. Als eine Art Dichter sehen wir unser Leben und betrachten wir unseren Roman, Jetzt