Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 535 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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lieber die sittliche Welt 535 sehen wir unser individuelles Gesetz und streben danach, des Vergänglichen uns zu entledigen. Wir fahlen uns als einzelne Kreatur — und zugleich als Gleichnis für eine erst geahnte Göttlichkeit. Und zugleich sehen wir das höhere Verbundensein in aUgemein-menschlichen und naturhaften Bezirken. Das allgemein-menschliche. Dasein erkennen wir zugleich als Typus-Folie auch für uns. In körperlicher und geistiger Hinsicht, und in Hinsicht aller Wechselwirkung zwischen Mensch und Mensch. Zur Selbsterkenntnis gehört wesentlich die Einsicht in unsere körperiiche Daseinsart. Unsere leibliche Bildung, die Gesetze unserer Leiblichkeit, Wachstum und Reifung, Geburt und Sterben. Wir erkennen die Wandlung und Vergänglichkeit unseres Daseins, und aus dieser Wandlung erkennen wir dann gleichwohl die Ewigkeit. — Wir erkennen die Gesetze und Regeln unserer körperlichen Daseinsart und finden, dass es die gleichen sind, wie in der übrigen organischen und anorganischen Natur. Wandlung und Vergänglichkeit, Geburt und Tod erscheinen uns 80 als Naturgeschehen — und doch als Schicksalsverknüpfung zugleich. In unserer naturellen Existenz selbst sehen wir oft das Schicksal reifen — und wiederum das Schicksal selbst trägt und bildet seltsam sicher die naturelle Existenz. Erhabende und beruhigende Einsicht! — In geistiger Hinsicht — und dies ist iin weitesten Sinne gemeint und schliesst die Fülle des Bewusstseinslebens in all seinen Aeusserungen ein — sehen wir ebenfalls Gesetz und Schicksal. Gesetz: Denn es sind Notwendigkeiten auch hier, wenn auch in der typisch-schöpferischen revolutionären Art Aber alles wird zugleich als Schicksal empfunden, als Baustein und Prototyp einer bestimmten Lebensstufe, und hinweisend auf höhere. — Aus der Individualbetrachtung steigen wir zur Sozialbetrachtung auf und erkennen zunächst auch hier Gesetz und Schicksal zugleich. Gesetz: Denn die Menschen untereinander bilden Gruppen und Gemeinschaften, Staaten und Nationen, Völker und Brudervölker in Notwendigkeit. Und die Fülle des