Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 532 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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082 Die jüdische Geschichte usw. sassen und aus ihr jenes klare unzerreissbare Kunstwerk schufen, welches Israel’« schützendes Gewand wurde gegen Sturm und Regen. Die endgültige Loslö3ung des Christentums vom Boden der Mutterreligion, die völlige Verschmelzung von Juden- und Heiden- Christen wurde durch den letzten kriegerischen VerzweifTöngskampf der jüdischen Nation gegen die römische Weltmacht beschleunigt. Wie einen Aufschrei des gepeinigten Volkskörpers und ein Aufbäumen der Volksseele gegen die rücksichtslose Unterdrückung heiliger Gesetze und Gefühle empfinden wir den Aufstand gegen Hadrian unter Führung des Ben Kosiba, den zeitweise selbst ein R. Akiba als den Messias betrachtete. Noch hatte man sich mit der Zerstörung des Tempels als einer für lange Zeit gültigen Tatsache nicht abgefunden. Je mehr die Wunden des Tituskrieges heilten, um 80 mehr sah man seine Folgen nur als eine Episode an. Noch war man im eigenen Lande und täglich hoffte man auf Wiederaufbau des Tempels. Das VoTgehen Hadrians liess die Warner und Mahner weniger werden und auch die ,wenigen fast verstummen. Mochte auch R. Akiba im Kreise seiner Genossen zahlreiche Gegner gehabt׳ haben, seine Stellungsnahme war sicherlich für viele Zehntausend© ausschlaggebend. Aber nach grossen Anfangserfolgen brach der Aufstand zusammen, Betar wurde erstürmt, Ben Kosiba fiel. Eine furchtbare Verfolgung der Gelehrten begann. Ein R. Akiba und ein R. Jehuda ben Baba fielen ihr zum Opfer. Ihre hervorragendsten Schüler konnten sich nur durch Flucht retten. Das jüdische Leben Palästina’8 schien für immer vernichtet,, viel mehr als nach der Tempelzerstörung. Und doch sollte das Heilige Land noch nicht aufbören, das Geistes- Zentrum des jtidh־chen Volkes zu sein. Der Tod Hadrians liess allmählich die führenden Gelehrten sich wieder sammeln. Einem R. Mel’r und R. Jehuda, einem R. Simon ben Jochai und R. Jose und ihren Genossen haben wir es zu verdanken, dass noch einmal eine Blütezeit des Geisteslebens dem jüdischen Palästina beschert war, als deren reife Frucht uns das Geschlecht Rabbi’s und seines Sohnes das Monumentalwerk der Misehna- Sammlung schuf.