Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 531 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die jüdische Geschichte usw. 531 Beweis für den Anbruch einer neuen Zeit. Gerade weil die Anhänger der jungen Lehre sich noch nicht ganz vom Gesetze losgelöst haben, sind sie solche Gefahr. Innerlich fühlen sich die Judenchristen immer mehr als Künder von etwas Neuem, durch das die treue Hingabe an die Thora allmählich unterhöhlt wird. Wenn es etwas Höheres gibt als die Lehren der Thora, wenn man auch ohne ihre gewissenhafte Befolgung der Seligkeit teilhaftig werden kann, wozu dann das Leben dem Studium dieser Lehre weihen, wozu um ihretwillen die Verfolgungen und Quälereien der römischen Beamten auf sich nehmen? Je grösser der Kreis der Heiden wird, der durch die Werbetätigkeit der Judenchristen so viele Grundideen des Judentums in sich aufnimmt, um so stärker wird die Angriffslust der jüdischen Anbänger des *neuen Bundes“ gegen ihre der Ueberlieferung treu gebliebenen Brüder, und um so stärker müssen auch diese den Trennungsstrich ziehen; denn gefährlicher für den Bestand des Judentums als Schwert und Verlockung des Heidentums ist ״Minut“. Eine furchtbare Tragik liegt in diesem Kampfe des Judentums gegen die von ihm abfallenden Söhne, welche die Lehre vom Gtte Israels, dem Einzigen, dem Schöpfer und Erbalter des Weltalls des liebevollen Vaters der Menschheit unter alle Völker des Erdballs tragen. Gerade die Abstreifung des Gesetzes durch die sie sich in der Folgezeit vom eigenen Volke ganz trenneB, ermöglicht ihnen das gewaltige nie geahnte Ausmass ihrer Missionstätigkeit. Für das jüdische Volk mussten sie sterben, um Samenkörner zu werden in den Nationen des europäischen und westasiatischen Kulturkreises. Keine Bewegung auf Erden hat die Gedanken der Bibel soweit getragen wie die Missionstätigkeit des Christentums, und von keiner Seite sollte Israel so schwer leiden wie von den Bekennern der Tochterreligiös. Bass aber weder die Verlockungen noch der Zwang des ״neuen Bundes״, weder in den Zeiten seines Aufstieges noch in denen seiner Herrschaft das jüdische Volk zur Auflösung bringen konnten, das hat es den Tannaira zu verdanken, die in den beiden ersten Jahrhunderten der üblichen Ära unbeirrt von Schwärmerei und feindlicher Verfolgung am Webstuhl der Halacha