Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 530 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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530 Die jüdische Geschichte usw. erscheinen lässt. Das wahre nationale Leben fühlt sich aber nur von aussen getroffen; es pulsiert in den Kreisen eines Hillel und eines Sehammai. Sie sind die Träger der Zukunft, die Hüter der Schätze der Vergangenheit. In grandioser Ungebeugtheit von der Willkür der Herodianer und der römischen Beamten forschen sie im Gttesgesetz, geben ordnend und erklärend die mündliche Lehre ihren Schülern weiter, damit sie nicht vergessen werde in Israel. Ihrem Wirken i3t es zu verdanken, dass die furchtbare Katastrophe der Kriege des Vespasian und des Titus und das ungeheuerliche Ereignis der Tempelzerstörung mit all den masslosen Verlusten an Menschenleben, dass all diese fürchterlichen Schicksalsschläge nicht die Vernichtung des jüdischen Volkes bedeuteten, sondern nur eine schreckliche Züchtigung und Strafe waren und als solche von Zeitgenossen und von der jüdisch-geschichtlichen Betrachtung aufgefasst wurden. Von der Zerstörung des Tempels bis zum Abschluss der Mischna. Aus dem der Zerstörung geweihten Jerusalem zieht K. Jochanan ben Sakkai nach Jabne und hier bildet sich das neue Kulturzentrum des jüdischen Volkes. Das Hereinbrechen des vorausgesehenen Unheils ist ein furchtbarer Schmerz, aber kein Untergang. In den nächsten, politisch so schweren Jahrzehnten wird mit grösster Hingabe an dem gewaltigen Werke der Sammlung und Erklärung der mündlichen Ueberlieferung weitergearbeitet. Was infolge des Schreckenskampfes mit Rom und der späteren unruhigen Zeiten verloren zu gehen droht, wird durch Vertiefung in den heiligen Stoff der Lehre und durch scharfsinnigste Methoden zurückzugewinnen versucht. Aber ein noch gefährlicherer Feind als das Schwert Roms bedroht das jüdische Volk von innen. Je schwerer der Druck der fremden Zwingherren, um so empfänglicher werden die Gemüter für den Wunderglauben des aus Messiashoffnungen entstandenen Christentums. Immer zahlreicher werden seine Anhänger, besonders nach dem unglücklichen Ausgange des grossen Krieges. Die Zerstörung des Tempels ist ihnen ein