Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 527 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2292929-2293027-2293033--07322-2300604- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die jüdische Geschichte usw. 527 wogen durch den Schutz der Perserkönige, die sich in die inneren Verhältnisse des Landes nicht einmischten. Jetzt wird die Gtteslehre das Gemeingut aller. Dem jüdischen Volke war eine ausreichende Zeit der Vorbereitung beschieden für die schweren Geisteskämpfe, die ihm bevorstanden. Von Alexander dem Grossen bis zur Erlangung der Unabhängigkeit. Alexander der Grosse zerstört das Reich der Achämeniden. Makedonier und Hellenen überfluten den Osten. Der gewaltige Gedanke einer Synthese zwischen Griechentum und Orient beherrscht den grossen Eroberer. Sein früher Tod war schwerlich der Grund für das Misslingen, er hat ihn vielmehr davor bewahrt, den Zusammenbruch seiner stolzen Hoffnung erleben zu müssen. Die Kämpfe der Nachfolger beginnen. Asien und Aegypten werden wieder voneinandergerissen. Palästina wird für mehr als hundert Jahre ägyptisches Vorland gegen das syrische Seleucidenreich, um dann von diesem erobert und Grenze gegen das Aegypten der Ptolemäer zu werden. Nach der Ruhe einer zentralen Provinz ist es wieder Zankapfel und Kriegsgebiet zwischen rivalisierenden Grossmächten geworden. Doch weit gefährlicher als Schlachten und Kriege wird das gewaltige Geistesringen des Judentums mit dem Hellenismus. Die Stammlande der vorderasiatischen Kultur konnte dieser sich zwar nicht unterwerfen, wohl aber die Uferländer des östlichen Mittelmeeres. Für Jahrhunderte ward eine starke Oberschicht Syriens und Aegyptens hellenisiert. Nur das kleine Land der Juden suchte sich die geistige Selbständigkeit zu erhalten. Männer wie Simon der Gerechte setzten sich mit der ganzen Kraft ihrer Persönlichkeit ein, um die hellenistische Flut zurückzudämmen. Nicht Schönheit und Wahrheit schlechthin standen sich im Kampfe gegenüber, sondern die Auseinandersetzung darüber, welches das lebensbeherrschende Prinzip sein sollte. Dem Judentum ist Wahrheit das Siegel Gttes, das zu verschönen, verdienstvoll ist, aber nie auf Kosten des Wahren, den Hellenisten des Orients ist Schönheit das Erste. Politische und wirt-