Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 528 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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628 a—■ ״י״ י״—a—a Die jüdische Geschichte usw. schaftliehe Macht steht auf ihrer Seite. Hierzu kam der Einfluss der stark hellenisierten Juden Alexandriens. Sie ,waren es, welche die Wahrheiten der Gtteslehre zuerst den Griechen übermittelten. Ein tragisches Geschick des jüdischen Volkes ist es ja, dass so oft die Verkünder seiner Wahrheiten an die Nationen ihm selbst sich entfremden, Triebkeime der gttlicheu Lehre für andere Völker werden, in diesen ganz oder zum Teil aufgehend. Der Tag, an welchem auf Geheiss des ägyptischen Herrschers Ptolemäus Philadelphus die Bibel in das Griechische übersetzt wurde, war der Beginn einer neuen Kulturperiode für die Völker hellenischer Bildung, Israel aber empfand ihn schwer wie den Tag, da das goldene Kalb entstand. Sollen wir ihn beklagen oder seiner uns freuen? Nicht Jammer ziemt sich über ein Ereignis der Fortentwickelung der Menschheit, nicht Jubel, wegen der schweren Einbusse des eigenen Volkes. Schmerzlich empfinden wir, dass wir wertvolle Kräfte verlieren mussten, um anderen Gotteskunde zu geben. Dass wir dieses durften, ist uns nicht Stolz, aber Befriedigung über die — wenn auch nur Teil-Lösung unserer Aufgabe. Heute dürfen wir so fühlen, nachdem wir wissen, dass der Prozess der Hellenisierung so vieler unserer Brüder uns zwar schwere Verluste brachte, aber unsere Existenz nicht untergrub. Ganz anders aber mussten damals die die Verantwortung tragenden Führer der Judenheit die Ausbreitung des Hellenismus betrachten. Immer weitere Eroberungen machte er im jüdischen Volke, nicht nur in den grossen Gemeinden Aegyptens, sondern durch das kecke Verhalten der Tobiaden auch in Palästina. Ein langsames aber unaufhaltsames Vordringen griechischen Geistes schien das Gttesvolk allmählich aufzulösen und dem Geiste Alexandriens und Antiochiens zu assimilieren, da kam die R6ttung durch die überstürzten Hellenisierungsversuche eines Antiochus Epiphanes und seiner jüdischen Parteigänger. Plötzlich sieht das jüdische Volk die furchtbare Gefahr; es handelt sich um Sein oder Nichtsein. Mit der Waffe der Selbstaufopferung für den Glauben der Väter wirft man sich der unüberwindlich scheinenden Syrermacht entgegen.