Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 526 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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526 Die jüdische Geschichte usw. Babylonien mit seiner Macht und seinem Reichtum und auch seinem Wissen auf Gebieten, die vielen Judäern bisher nicht bekannt waren. Aber die warnenden und spottenden Worte, mit denen schon lang vor dieser Zeit ein Jesaja den Götzen־ dienst des triumphierenden Babel gegeisselt hatte, waren nicht wirkungslos, und es bildete sich jetzt ein fester Kern der unerschütterlichen Gttestreue. Wort für Wort erfüllte sich die Weissagung der grossen Propheten. Babylon muss den Kelch des grossen Leides trinken. Sein Eroberer Cyru3 wird der Befreier der Exulanten. Ein verhältnismässig nur kleiner Teil unter Führung des Davidssprosses Serubabel und des Hohen־ priesters Josua macht Gebrauch von der Erlaubnis zur Heimkehr. Die grosse Mehrzahl des Volkes und darunter auch wert־ volle Kräfte bleiben in den Ländern der Gefangenschaft, Aber das Schwergewicht der Volksentwickelung und seiner Geschichte liegt wieder im Lande Israel. Hier ist die Hauptbühne, auf der das jüdische Volk in den nächsten Jahrhunderten seine weltgeschichtliche Rolle weiterspielt. Babylon wird aber zu dem schier unerschöpflichen Reservoir, aus dem das Hauptlanä immer wieder neue Kräfte empfängt. Noch ist kein Jahrhundert vergangen, da scheinen die Juden Palästinas trotz des wiedererbauten Tempels der Assimilation an die Nachbarvölker verfallen zu sein. Doch aus dem Osten erscheinen Esra und Nehemia als Regeneratoren ihres Volkes. Eine Welle torabegeisterter Männer begleitet sie, und nun folgt die Periode der Kenesset gedola, die Zeit, da die Thora für immer in die Gesamtheit des jüdischen Volkes verankert wird. Die grossen Volkserzieher verstehen es durch zahllose, ins Einzelne gehende Verordnungen jede Lebensregung mit feinsten unzerreissbaren Fäden an Gtt und sein Gesetz zu knüpfen. Es ist eine Zeit des Friedens, der politischen Ruhe, wie sie den Völkern des Orients selten so lange beschieden war. Vom Indus bis zu den Bergen Aethiopiens erstreckt sich die Herrschaft der Achämeniden. Palästina hatte aufgehört, ein Grenzland zu sein. Es war ein Teil eines mit Frieden gesegneten Weltreiches. Das Fehlen der völligen Unabhängigkeit war reichlich aufge-