Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 524 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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524 Die jüdische Geschichte usw. die Lebensnotwendigkeiten nagend, unter ähnlichen politischen Bedingungen wie die anderen Völker sollte Israel die Theokratie, die Gttesherrschaft, im eigenen Lande verwirklichen, um hierdurch den Mittelpunkt der Gtteserkenntnis und des Lebens des Heiligkeitsstrebens zu bilden. Nie ward einem Volke eine Aufgäbe von ähnlicher Erhabenheit gestellt; kein Gleichnis findet sich unter allen Nationen. Wir denken an die Bergesgipfel der Alpen und des Libanon, die in nie getrübter Reinheit des weissen Schneeeises in die sonnige Bläue des Himmels hineinragen, und deren Fuss doch so fest massig in der lebendigen Erdennatur steht, und klare Gebirgsbäche ergiesseii sich aus den reinen Gletschern, die warmen Niederungen des irdischen Landes befruchtend. Solch Höhenvolk in Alpenreinheit sollte Israel auf dem heiligen Boden Palästinas sein, den Völkern der Erde die Klarheit der Gtteslehre spendend. Dieser Aufgabe gewürdigt zu sein, bleibt eine Erhöhung für alle Zeiten, auch wenn das Ziel nicht erreicht ist. — Ein Ringen des Volkes mit seiner Aufgabe beginnt. Schon die zweite Generation liegt sieglos am Boden. Nach dem Tode Josua’s und seiner Gefährten fehlt es nur zu oft an dem Führer, der das Volk hinaufreisst zur Höhe seiner Aufgabe. Wohl erstehen ihm immer wieder Männer, die wirkend und mahnend Israel der Erfüllung seines Sollens zuführen; Namen wie Samuel und David, wie Josaphat und Hiskia, wie Elia und Jesaja, wie Josia und Jeremia leuchten uns entgegen, mit ihrem Glanze nicht nur ihre Zeit, sondern alle Zeiten erhellend; aber immer waren es nur einzelne Höhepunkte, deren Wert zwar nie verloren ging, die aber doch die Volksgesamtheit nicht dauernd zu erheben vermochten. Der Gttesstaat blieb fast immer nur ein Ideal, dem manch glückliches Zeitalter sich näherte. Dauernd fand es nie Verwirklichung, Wohl erstand auf dem Morija der heilige Tempel, der sichtbare Ausdruck der Gttesnähe, aber immer wieder sank Israel von der Höhe der Gttesvolkschaft herab bis schliesslich das Symbol der Gttesnähe aufhörte, der Wirklichkeit zu entsprechen. Eingekeilt zwischen die Grossmächte des Zweistromlandes und des Nils mit ihrer hoch entwickelten Zivilisation und der gewaltigen Machtkonzen-