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Jeschurun · 1924-11-01 · Heft 11-12 (November 1924) · p. Seite 523

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 11-12 (November 1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 523 (sequence 49)
Language
German
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Die jüdische Geschichte usw. 523 und seelisch leidet, aber durch seine stets grösser werdende Zahl ein Schrecken seiner Unterdrücker ist. Nur schwache Spuren der Gttesidee haben sich in diesem Knechtsvolke erhalten: am stärksten ist noch die Erinnerung an die Hoheit der Ahnen. Die wunderbare Befreiung, nicht auf eigener Grösse beruhend, sondern auf der ihnen immanenten Aufgabe, der Uebergang der Abrahamsfamilie zum Gttesvolke zu sein, sowie auf dem furchtbareD Zusammenbruch der brutalen Machtherrschaft des Pharaonenstolzes, lässt die Sklavenhorden zum Volke werden. Aber noch ist dieses weit davon entfernt, die erhabene Grösse seiner Aufgäbe zu verstehen. Das beispiellose Ereignis der Sinaioffenbarung trifft es noch wenig vorbereitet. Wenn Israel sich auch unter dem Eindrücke des gewaltigen Erlebnisses zum Gttesvolke zu erheben scheint, so, folgt nur zu bald der furchtbare Rückschlag. Das Sinaigesetz ist ja kein Ausfluss des Volksgeistes, sondern tritt von aussen an das Volk heran, den Weg zum Ziele ihm weisend. Die in den Jahrhunderten der Knechtschaft seelisch gesunkenen Massen fallen aus der Höhe der G’ttesnähe schnell zurück in die Tiefen des Götzendienstes, der nur in dem Körperlichen den Ausdruck seines Denkens und Fühlens ündet. In vierzigjähriger Wüstenwanderung musste erst eine neue Generation in geistiger und körperlicher Freiheit durch den grössten Erzieher der Menschheit, durch unseren Lehrer Mose, zum Gttesvolke herangebildet werden. Diese Generation wird würdig, in das zur Heiligkeit bestimmte Land einzuziehen, um hier an den Bau des Gttesstaates heranzutreten. Von der Besitznahme Kanaans bis zur Zerstörung des ersten Tempels. Eine neue Phase, ja die eigentliche Phase des Tora Volkes beginnt: die Verwirklichung der G’ttesidee durch ein Volk in seiner Gesamtheit, in seiner Staatlichkeit. Es genügt nicht mehr, dass einzelne Fromme der Heiligkeit zustreben, die ganze organisierte Volksgemeinschaft, der Staat, wird zum Gttesdiener, und nicht mehr losgelöst von den Sorgen des normalen Wirtschaftslebens wie in den Jahren der Wüsten Wanderung, sondern wie andere Völker um

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