Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 521 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die jüdische Geschichte usw. 521 da8 Ziel des Geschehenen wird das umfassendste Wissen Y0n dem Tun und Leiden der Menschen und Völker in den einzelnen Zeitphasen und Ländern wie in der Gesamtheit der von uns zu überschauenden Perioden und Erdteilen immer nur eine Summe von mehr oder weniger interessanten Ereignissen sein, aber nicht Geschichte in dem hohen Sinn der historia vitae magistra. Nach dem geistvollen Worte Jak. Burckhardts soll das, was einst Jubel und Jammer war, Erkenntnis werden. Die Erfahrung soll uns nicht nur wissend und klug machen, sondern wir sollen durch sie weise werden. Hierzu ist nötig, nach dem Sinn der geschichtlichen Vorgänge zu forschen, nach dem Werte der Tatsachen, nach ihrer Bedeutung für Vergangenheit und Gegenwart! Um den Sinn der Geschichte zu deuten, bedürfen wir eines Massstabes von übergeschichtlicher Geltung. Solchen Massstab besitzen wir in dem Gedanken, dass die ganze Menschheitsgeschichte eine Offenbarung des gttlichen Willens ist und ihr ein einheitlicher Plan, die Erziehung der Menschheit, zu Grunde liegt. Hiernach bedeutet ein Suchen nach dem Sinn der Geschichte ein Forschen nach dem Walten Gttes und der Verwirklichung seines Erziehungsplanes. In konzentriertester Form wird uns diese Aufgabe bei der Betrachtung der jüdischen Geschichte gestellt. Haben wir es doch hier — um mit Jehuda Halevi zu sprechen — mit dem Herzen der Menschheit zu tun. Unser Sinnen über die Verwirklichung des gttlichen Erziehungsplanes hat sich hier nach zwei Richtungen zu erstrecken: auf das jüdische Volk seihst und auf seine Beziehung zur Gesamtmenschheit. Einer grossen Schwierigkeit müssen wir uns dabei bewusst sein, der Tatsache unseres Subjektivismus in doppelter Hinsicht, als Glieder des jüdischen Volkes und als Kinder unserer Zeit. Wir werden niemals mit völliger Objektivität über die Gesamtheit urteilen können, deren Teil wir sind, und niemals werden wir die Anschauungen unserer Zeit, von der wir unmöglieh unbeeinflusst sind, ganz verleugnen können. Wir stellen uns deshalb nicht die Aufgabe, den Sinn der jüdischen Geschichte zu ergründen, sondern lediglich, über ihren Sinn nach-