Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 513 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Gestalt des Juden Shyleck 51S Antonio und Bassanio kommen mit ihrem Begehren zu Shylock. Dieser malt seinen Feinden, die ihm den Auswurf in den Bart geleert und nun mit einem Anliegen kommen, das Groteske und Würdelose ihrer Situation aus und fragt sie selbst, was er nun tun solle. Wie sollt ich sprechen nun? Sollt* ich nicht sprechen: ״Hat ein Hund Geld? Ist’s möglich, dass ein Spitz Dreitausend Dukaten leihn kann?“ oder soll ich Mich bücken und in eines Knechtes Ton, Demütig wispernd, mit verhaltnem Odem, So sprechen: ״Schöner Herr, am letzten Mittwoch Spiet Ihr mich an; Ihr tratet mich den Tag; Ein andermal hiesst Ihr mich einen Hund: Für diese Höflichkeiten will ich Euch Die und die Gelder leihn.״ Als Antonio, statt eines Wortes der Verzeihung, auf das Shylock wartet, seine erniedrigenden Schmähungen nur wiederholt und fordert: ich will keine Freundschaft, erwidert der Jude: Nun seht mir, wie Ihr stürmt! Ich wollt Euch Liebes tun, Freund mit Euch sein, Die Schmach vergessen, die Ihr mir getan, Das Nöt’ge schaffen und keinen Heller Zins Für meine Gelder nehmen; und Ihr hört nicht. Mein Antrag ist doch liebreich. Es ist fraglich, ob diese Worte ernstgemeint oder eine Ironie sind. Shylock sagt dann seine Bedingung von dem Pfund Fleisch. Antonio streitet mit Bassanio, ob diese Bedingung eine Gefahr bedeuten kann. Darauf Shylock: O Vater Abraham! über diese Christen, die eigne Härte Anderer Gedanken argwohnen lehrt. Vom Sinn dieser Worte hängt alles ab. In vielen englischen und deutschen Ausgaben steht vor ihnen: for himself, für sieb. Ist diese Bemerkung echt, dann ist die Zangwillsche Auffassung bewiesen. Dann wollte Sbylcok seinen Gegner nur beschämen und erniedrigen, wollte, dass dieser ihm, dem Juden, mit seinem Leben verpfändet sei, wollte ihm zeigen, dass er, der in dem grossen