Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 499 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Fechner’s Seelenlehre usvr. 499 Worte kommen lassen. Man darf aber nicht vergessen, dass seit dem Erscheinen des Zend-Avesta mehr als zwei Menschen• alter verflossen sind. Wie hätte Fechner erst das reiche Material verwendet, das uns die Ergebnisse der Naturforschung der späteren Zeit bescheert. Welche Analogien wären seinem ebenso dichterisch wie naturwissenschaftlich genialen Blick zugeströmt aus den Wundern unserer Tage, da unzählige elektrische Ströme den Erdball umkreisen, in einander sich verschlingen und durcheinander fliessen und ohne sich im Wirkungsbereich zu stören, ihre Besonderheit wahren und einen Verkehr der von einander entferntesten Geister recht eigentlich ohne körperliches Medium miteinander vermitteln. Mit welch sprühenden Farben hätte Fechner heute sein Weltbild uns malen können. Es ist ein Beweis für den Wahrheitskern, der jenen in der ersten Zeit als Phantasieen gescholtenen Darlegungen Fechners innewohnt, dass sie mit dem so überraschenden Fortschritte der Naturwissenschaften an Ueberzeugungskraft gewonnen haben. Wir sind im Kähmen dieses Aufsatzes ungebührlich lang bei Einzelheiten verweilt. Dazu waren wir gezwungen, sollte dem, der als ein Fremder in diese Ideenwelt eintritt und dem diese zuerst, weil sie 80 ganz in Widerspruch steht mit den herrschenden Vorstellungen unannehmbar erscheint, die Seelenlehre Fechners ein klein wenig verständlich werden. Fechner selbst ist es aber in Wahrheit nun nicht einmal um die Erdseele an sich zu tun. Er will das heiligste Anliegen des Menschengeschlechts, die religiöse Weltanschauung auf eine gesunde Grundlage stellen. Die Erdseele, wie die Seelen der Gestirne sind für ihn in Gott, Gott ist jetzt wirklich allgegenwärtig; bis in das niederste irdische Wesen erstreckt sich sein Geist, die Welt ist sein Leib und doch bleibt nach Analogie der Erdseele die selbstbewusste Persönlichkeit Gottes gewahrt. Und wie die rechte Vorstellung von Gott, so leitet F. auch die Willensfreiheit, vor allem die Unsterblichkeit des Menschen, jenen anderen Grundpfeiler aller theißtischen Keligionen, aus seiner ״Seelenlehre“ gewissermassen mit naturwissenschaftlichem Rüstzeug ab. Es sirfd die schönsten und