Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 498 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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498 Fechner’s Seelenlehre usw. höheren Bewusstsein geben. Unser Bewusstsein ist 60 eng, dass die Vorstellungen darin mehr nacheinander als nebenein״ ander unterscheidbar auftreten. Dagegen treten tausend und abertausend Menschengeister und Tierseelen im höheren Bewusstsein zugleich auf und behalten, trotzdem sie miteinander ablaufen doch ihre individuelle Selbständigkeit, Und doch haben wir auch hier eine Analogie. Auch wir vermögen in der sinnlichen Anschauung tausend Punkte nebeneinander zu unterscheiden. Können wir das aber im niederen, sinnlichen Gebiete, warum sollte es nicht ein höherer Geist im höheren geistigen Gebiete können. Und ebenso kann natürlich auch dem höheren Geiste der Ablaut der Wirkungen zum Bewusstsein kommen. Nur so wird auch ״der Geist der Menschheit״, der nach den herrschenden Vorstellungen nur eine Phrase ist, zu etwas Realem. Unter dem ״Geiste der Menschheit״ denkt man sich zumeist ein nur im Einzelnen bewusstes, im Ganzen aber unbewusstes Wesen. Man meint, die Menschen — oder doch wenigstens die Philosophen — wüssten wohl um diesen Geist, dieser wisse aber nicht um die Menschen. Dann ist dieser Geist aber eine leereAbstraktion1) In einem wirklichen Geiste gibt es keine Einzelheiten des Bewusstseins ohne ein einigendes Bewusstsein, das sie alle zusammen umspannt. Also kann auch ein höherer Geist, wenn es überhaupt einen solchen geben soll, unsere besonderen Bewusstseinsgebiete nicht in sich tragen, ohne sie in seinem Bewusstsein zu verknüpfen. In ähnlicher Weise sucht F. die Eigenart des Selbstbewusstseins des höheren Geistes in den Kapiteln ״vom höheren Sinnesleben“ und ״vom höheren Willen“ uns näher zu bringen. Doch wir müssen hier ab brechen. Wer mit der Ideenwelt Fechners völlig vertraut werden will, muss doch auf die genannten Werke verwiesen werden. Nur eins sei hervorgehoben. Wir wollten möglichst Fechner mit seinen eigenen Ausführungen zu י) Vgl. Lotze Religionsphilosophie S. 70—74, der bei der Erörterung Über die ״Offenbarung des Absoluten" das Nichtssagende aber derartiger hochtönenden Verselbständigungen ״des Geistes der Menschheit“ au freist.