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Jeschurun · 1924-11-01 · Heft 11-12 (November 1924) · p. Seite 497

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 11-12 (November 1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 497 (sequence 23)
Language
German
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Fechner’s Seelenlehre usw. 497 Bewusstsein müsste die Erkenntnis des einen unmittelbar auch dem anderen zu Gute kommen lassen. Aber ebenso gut könnte man fragen: Warum ist nicht jede unserer Vorstellungen ebenso richtig wie die andere, da doch unser Bewusstsein über alle hinweggreift? Wir sehen also schon an uns selbst, wie es dem Geiste Arbeit kostet, seine Vorstellungen wechselseitig durcheinander zu berichtigen und ihre Widersprüche auszugleichen. Noch grösser scheinen die Bedenken gegen das übergreifende Bewusstsein, die sich aus dem Widerstreit der Gefühle ergeben Der eine Mensch ist jetzt voller Lust, ein anderer voller Trauer. Wie kann der höhere Geist ihre Gefühle in sich vereinigen? Natürlich kann er nicht zugleich voller Lust und voller Trauer sein, aber er kann fühlen, wie der eine Mensch sich ganz lustvoll, der andere -ganz traurig in ihm fühlt und kann seine Massregeln danach treffen. Dass ich ganz lustvoil bin, ist nur ein Anlass der Lust und dass ein anderer ganz traurig ist, nur ein Antrieb der Trauer in ihm. Die Trauer des Einzelnen kann für ihn auch ein Grund grösserer Lust im Ganzen sein und so selbst in höherer Lust aufgehen. Ueberhaupt empfindet der höhere Geist, was wir empfinden und wie wir es empfinden, aber er fühlt auch noch, wie unser aller Empfinden neue Beziehungen eingeht, die wir nicht empfinden und die vielleicht eine viel höhere Bedeutung haben als unser Einzelempfinden. Man denkt vielleicht, es geht dem grösseren Geist so, wie es uns in einem Konzert von vielen Stimmen geht, wo wir nur den allgemeinen Eindruck haben, aber nicht die einzelnen Stimmen unterscheiden können. Aber die Instrumente spielen ja nicht ausser ihm, sondern i n ihm Und wenn der Komponist schon die leisesten Stimmen des Konzerts vernimmt, das er komponierte, wievielmehr der übermenschliche Geist, der noch viel feiner hört und vieles zugleich empfindet, was der menschliche Geist nur nacheinander aufzufassen vermag. Natürlich muss es Unterschiede zwischen dem kleinen Bewusstseinsinhalt des Menschen und dem uns übergeordneten

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