Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 496 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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496 Fechner’0 Seelen! ehre usw. alle umfängt. Ohne mein übergreifendes Bewusstsein finden sich die Wellen gar nicht. Und das Gleiche gilt von den Geistern der Menschheit. Auch diese treiben und drängen sich in mannigfaltiger Weise. Und auch dieser Verkehr im grossen, geistigen Gebiet wird nicht möglich sein, ohne ein über alle Einzelbewegungen übergreifendes Bewusstsein. So, müssen wir uns denken, werden auch die Beziehungen, die zwischen den einzelnen Menschengeistern bestehen, einem höheren Geiste bewusst sein. Richtig ist, dass die Vorstellungen im einzelnen Menschengeist oft geradezu ineinanderlaufen, während die Menschengeister einander viel schärfer gesondert und selbständiger gegenüberstehen. Aber die besondere Stärke und Vollkommenheit eines Bewusstseins liegt gerade darin, dass es zugleich zu binden und zu scheiden vermag und zwar um so kräftiger zu scheiden, je klarer es selbst ist. Die Selbständigkeit, deren wir uns gegeneinander rühmen, bedeutet also keinen Abschluss unseres Bewusstseins gegen einen höheren Geist, nur den anderen Menschen gegenüber sind wir selbständig und abgeschlossen, nicht gegen ihn. Wie kommt es aber bei diesem übergreifenden Bewusstsein, dass die Menschen bei aller Gleichartigkeit ihrer Grundnatur doch so vieles tun und denken, was sich widerspricht, ja dass der Widerstreit der Meinungen zu blutigen Kriegen führen kann. Gibt es denn aber nicht auch in unserem Geiste Widersprüche; solche kann es ja gar nicht geben ohne ein einigendes Bewusstsein. Im Grunde beruht aller Fortschritt des einzelnen Geistes darauf, die immer neu auftretenden Widersprüche in einer höheren Einheit zu versöhnen. So wird auch der Fortschritt der Menschheit im Ganzen darauf beruhen, den Widerstreit der Geister im höheren Geiste auszugleichen. Wenn aber die Erde zugleich alles weiss, was ihre Menschen wissen, warum berichtigt sich denn der Irrtum des Einen nicht sofort durch die richtigere Erkenntnis des anderen? Warum ist der eine Mensch so weise für sich, der andere so töricht für sich? Man sollte doch meinen, das gemeinschaftliche