Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 486 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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486 Fechner’fi Seelenlehre usw. Natürlich, wenn man, wie gewöhnlich von der Erde die ganze Menschheit, Tierwelt und Pflanzenwelt wegdenkt und bloss das Uebrige Erde nennt, wird diese ihrer edelsten Teile beraubte Erde vielleicht nicht viel mehr bedeuten können als ein trockener Stamm, dem man alle Blätter und Blüten abgerissen oder ein Gerippe, das man von Fleisch, Blut und Nerven entblösst. Man mag Recht haben, wenn man sich eine 8 o 1 c h e Erde als tot denkt, aber man hat Unrecht, wenn man sich die Erde als eine solche denkt. Denn das Gerippe der Erde steht nun einmal nicht ebenso apart, wie das Gerippe eines Menschen in der anatomischen Kammer. Noch ist alles organische Leben und Weben so fest und innig in Stoffen, Wirken und Zwecken damit verwachsen wie Nerven, Fleisch und Blut mit unseren Knochenbau. Was sage ich nur ebenso? Viel inniger! Denn Nerven und Fleisch kannst du wohl vom Knochen losreissen, kannst du aber auch einen Menschen, eine Pflanze oder ein Tier von dem irdischen System losreissen י׳ Setze doch einmal du, der das Organische so hoch über das Unorganische erheben möchte, den Menschen in eine wirkliche Höhe über Luft und Erdreich, wo er seine Selbständigkeit am besten beweisen könnte, er würde gerade so verdorren, wie ein abgeschnittenes Glied. Setze ihn auf einen anderen Planeten, es wäre als ob du die Gliedmassen eines Frosches an den Leib eines Vogels setzen wolltest . . Er ist nun einmal, so wie er ist, bloss darauf eingerichtet, im Zusammenhang mit dem irdisehen System zu bestehen, zwar dessen wichtigste Funktionen zu vermitteln, aber auch seine Lebensbedingungen aus ihm zu ziehen. Die Erde mag ohne den Menschen ein Krüppel sein, der Mensch ohne die Erde zerfiele in nichts1). Wie die Seele der Erde vorzustellen ist, davon später. Zunächst: Zur Seele gehört ein Leib. Und Fechner hat diesen Nachweis, dass die Erde in jeder Beziehung ein geschlossener Organismus ist, der wohl als der Sitz eines Einheitsbewusstseins angesehen werden kann, nach wissenschaftlichen Methoden *) ebds. S. 15.