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Jeschurun · 1924-11-01 · Heft 11-12 (November 1924) · p. Seite 485

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 11-12 (November 1924)
Date
1924-11-01
Page
Seite 485 (sequence 11)
Language
German
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Fechner’s Seeleulehre usw das ganze Meer ist bedeckt mit einer wandelnden Herde; und jede sagt: nicht ich bin’s, des Ganzen Kraft ist’s was mich und meine Gesellen treibt; was vermöchte ich einzelne Welle? höre, sieh, wie der Sturm kommt und die Wellen höher und höher hebt, und die Wolken jagt und das Schiff schüttelt, wie alle Wimpel nach einer Richtung flattern; in derselben Richtung ziehen die Wolken, in derselben gehen die Wellen und du selbst erbebst äusserlich und innerlich; — so hast du wohl ein ander Gefühl, als da du, auf der Schulbank sitzend, den weissen Fleck auf dem Globus anschautest und der Lehrer zu dir sagte: das ist der atlantische Ozean und dies das mittelländische Meer. Jenes Gefühl ist ein aus dem Leben der Erde, dessen dein Leben ein Teil ist, hervorgewachsenes Gefühl, da dich dies Leben in seiner Schwingung mit ergreift; aber so lange hast du auf der Schulbank gesessen und den Globus für die Erde angesehen, dass du, was du jetzt fühlst, nur für einen Schein, nur für deine Empfindsamkeit, nur gut zu einem Gedicht und alles Gedicht für eine Erdichtung hältst. Was der Lehrer dir da auf dem Globus gezeigt und was er dabei gesagt von Wellenbewegung, Ebbe und Flut und Anziehung des Mondes, das sei die ganze Wahrheit, und es ist sicher auch Wahrheit, nur sicher nicht die ganze. Das war freilich anders bei den ersten Menschen, die noch nicht reflektierten, stehend über der Natur, sondern fühlten, stehend in der Natur, die noch nicht die Scheide gesetzt hatten zwischen Organischem und Unorganischem, zwischen dem, was mit Seele und was ohne Seele geht; sondern weil sie fühlten, dass die Kraft, ihren Arm zu bewegen, ihre Füsse zu regen, eine Seelenskraft sei, ihr Atem aus dem Beseelten wehe, kein Regen und Bewegen, Fliessen und Wehen denken konnten, dem nicht eine Seelenkraft unterliege, und weil sie in der Natur ein mächtigeres Regen und Bewegen, Strömen und Wehen sahen als in ihrem kleinen Leibe, so beugten sie sich vor ihr als vor einer göttlichen Macht1). Zend Avesta I S. 10 f.

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