Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 483 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Fecbner’s Seelenlehre usw. 483 Ist es aber nicht ein Unglück für die Pflanze, wenn sie Empfindungen und Bewusstsein hat, wird sie denn nicht von den Menschen unaufhörlich vernichtet und von den Tieren gefressen? Aber das ist das Schicksal aller Lebewesen, dass das eine durch das andere seinen* Untergang findet, deshalb vermag es sich doch seines Lebens zu freuen. Wir sprechen den Tieren, die wir essen, von deren Pellen und Haaren wir uns kleiden, deshalb doch nicht die Empfindung ab. Endet doch auch nicht ein Rind oder ein Schaf je eines natürlichen Todes. Wie arm wäre die Natur wollten wir das Bewusstsein auf die im Verhältnis zur Oberfläche der Erde doch verschwindende Anzahl der animalischen Lebewesen beschränken, und wie reich wird sie, wenn wir die überall hin sich ausbreitende Pflanzenwelt uns beseelt denken. Und wie anders stellen wir uns zu dieser durch ihre Schönheit und Fülle von Wesen ein, wie sie uns in Wald und Garten und Feld mit ihrer an Farben und Düften, an Blüten und Früchten so überwältigenden Pracht begegnen, wenn ,wir uns zu der Ueberzeugung durchringen, dass das alles nicht bloss Illusion, nicht Spiegelung unseres Empfindens, sondern objektiv in den Dingen verankert ist, dass sie selbst voller Lust ihrer Herrlichkeit inne werden. Wir haben hier nur sehr wenige Argumente Fechners wiedergeben können. Fechner hat in seinem Werke: Ueber die Seelenfrage II. Aufl. S. 25. 105 philosophisch seine Ansicht zu stützen gesucht. Er trägt dort die positiven Gründe für das Dasein einer Pflanzenseele unter sechs Argumenten in streng logischen Schlussfolgerungen vor: im Argument der Aehnlichkeit oder Analogie, der Ergänzung, der Abstufung, der des Zusammenhangs, der Kausalität, der Teleologie, und es ist klar, dass durch diese Darlegungen, die wissenschaftlichen Charakter tragen, seine Auffassung uns näher gebracht wird. Völlig in den Bann dieser Vorstellung wird man aber geschlagen durch das schöne und tiefe Buch Nanna. Hier vertritt Fechner seine Theorie mit einer so tiefen Ueberzeugung, durch die Glut