Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1924)
- Date
- 1924-11-01
- Page
- Seite 478 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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478 Fechner’3 Seelenlehre usw. stellbaren bleiben will, der sein Denken und Fühlen in dem, was doch unser Höchstes betrifft, in rechten Einklang bringen will, bietet sich unseres Erachtens F e c h n e r als der rechte Führer an Es ist jetzt an der Zeit, auch in unserem Kreise an diesen Denker zu erinnern, der als Philosoph und Naturforscher sich eines festgegründeten Rufes erfreut, der der Begründer der Psychophysik, der Erforschung der Seelenvorgänge auf experimenteller Grundlage geworden, dessen Werke ein Wundt neu her ausgegeben, kurz, der ein nüchterner Forscher, wie nur einer gewesen und der doch in die Metaphysik, in die letzten Fragen einen Zug der Mystik, vor allem aber des religiösen Glaubens, wie nur wenige gebracht hat1). Für alle seine Ausführungen auf diesem Gebiete macht er nur Anspruch auf Glauben. Er erklärt selbst, dass das alles nicht rund und nett zu beweisen ist, und dass für den, der hier naturwissenschaftliche Beweise erwarten will, jedes seiner Bücher ein Buch mit sieben Siegeln ist, Aber dieser Glauben ist in seinen Büchern wie selbst Falkenberg,2) der ihn einen zeitweil gen Phantasten nennt, sagt, ״historisch praktisch nnd theoretisch wohlfundiert.“ Es handelt sich bei Fechner um die heiligste Angelegenheit נ) Gustav Theodor Fechner (1801—87) Professorin Leipzig hatte durch fach wissenschaftliche Veröffentlichungen auf dem Gebiete der Physik sieh einen Namen gemacht, als er so schwer erkrankte, dass er dauerndem Siechtum zu verfallen schien und seine Stellung von einem anderen besetzt werden musste. Es schien, als ob er das Augenlicht für immer verlieren sollte. Die Schmerzen im Gehirn waren so unerträglich, dass nur seine religiösen Bedenken, wie er gesteht, ihn daran verhinderten, selbst Hand an sich zu legen Es war ihm rach dreijähriger Krankheit dennoch vergönnt, noch vierzig Jahre der Darstellung seines grandiosen Weltbildes zu widmen. Er hatte zwar das Glück, noch zu Lebzeiten Anerkennung für seine Ideen zu finden, doch blieb sein Leserkreis immer eng begrenzt. E3 blieb bei der einen Auflage seines Hauptwerkes Zend-Avesta vom Jahre 1851. Seit 1901 sind freilich allein von diesem Werk drei neue Auflagen erschienen, ein Beweis, dass seine ״Phantasien“, deren Lektüre in den meisten seiner Bücher bei aller Wärme, mit der sie geschrieben sind, Ansprüche an den Leser stellen, immer mehr Beachtung finden. 2) Geschichte der neuen Philosophie S. 463 und 465.