Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 470 (sequence 82)
- Language
- German
- Belongs to
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470 B ücherbespreehungen leitun״, die sich über die Verhältnisse zur Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels und des Bar Kochba-Aufstandes und über die Redaktion des סרו קדשים verbreitet. Sie beweist, dass der Verfasser nicht nur eine tiefgründige talraudisehe Gelehrsamkeit, sondern auch einen ausgeprägten historischen Sinn besitzt. Das Buch sei alten Freunden t&lmndischer Literatur warm empfohlen, zumal der Verfasser nicht in der Lage ist, die hohen Kosten der Herstellung zu tragen. Rabb. Dr. Unna. Untersuchungen über das Wesen des Memorbuche« von Dr. M. Weinberg. Neumarkt. Sonderabdruck aus dem Jahrbuch der jüd.־ liter. Gesellschaft. Frankfurt a/M. 1924. 68 S. Den dunklen Vorstellungen vom Wesen des Memorbuches will diese Abhandlung entgegentreten. Als Geschichtsquellen werden die in ihm enthaltenen Aufzeichnungen des Öfteren benutzt, wesentlich erleichtert durch die Veröffentlichungen Salfelds. Eine Uebersicht über die Art der Memorbücher als solche war jedoch nicht vorhanden. Auf Grund von nahezu 20 gekürzt abgedruckten Memorbüchern stellt der Vf. fest, dass diese Bücher fast stets drei Abteilungen umfassen. Die liturgische (מי שברך/ הנותן תשועה וגר) ist für den Vorbeter bestimmt. Das Nekrologium ist eine Liste der Namen verstorbener Grössen der eigenen Gemeinde wie auch der gesamten Judenheit. Das Martyrologium ist eine Liste von Ortsnamen Deutschlands und auch anderer Länder, an denen Judenverfolgungen stattfanden oder (was seltener ist) eine Liste von Märtyrern der eigenen und fremder Gemeinden. Berühmte Märtyrer kehren in vielen Listen wieder. Die Heimat des Memorbuches ist West- und Süddeutschland: es wird vom 11. bis zum 17. Jahrhundert geführt. Der Ursprung des Namens ist strittig; auch der Vf. will sich nicht entscheiden. AVir glauben mit ihm memoria als Ursprung ablehnen zu müssen. ״Orena und ״benschen“ konnten als Worte, die bei der christlichen Bevölkerung sehr gebräuchlich waren, ihren Eingang ins Ghetto finden, schwerlich hörten unsere Väter aber etwas vom in memoriam der Kirche. Die Annahme des Vf., das Buch habe seinen Namen vom Almemor, auf dem es stets liegt, ist gleichfalls nicht befriedigend. Denn der Ausdruck ״Hemmern״ für das Verlesen der Namen an den Festtagen kann dadurch keine Erklärung finden. Es scheint, dass רמימר, wie es in altfranzösischer Sprache auf Formularen für Seelengedächtnisse zu lesen ist, der Ursprung des Wortes ist. Auf jeden Fall ist die gründliche Arbeit als Beitrag zur jüdischen Geschichtsforschung durchaus zu begrüssen. A. W.