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Jeschurun · 1924-09-01 · Heft 9-10 (September 1924) · p. Seite 465

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 9-10 (September 1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 465 (sequence 77)
Language
German
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Rabbinische Formgeschiciite 465 im Neuen Testament Halaeha? Wo treten halachische Stoffe, wo der juristische Einzelsatz auf? Haben wir auch hier mündliche üeberlieferung? volkstümliche Gelehrsamkeit? Jesu Worte mussten ja in derselben Art des Lehrens und Lernens tradiert und aufgefasst werden wie die Worte der Rabbinen. 2. Ausser ״Halaeha״ sind zwei Begriffe für die rabbinische Literatur, vor allem auch formgeschichtlich, grundlegend: ״Midrasch“ und ״Haggada“. Der ״Midrasch“ ist Schriftauslegung. Das will ja im Grunde die gesamte Tätigkeit der Rabbinern sein. Der ״Midrasch* kann als Einzelauslegung einer einzelnen Bibelstelle auffcreten. Er kann auch fortlaufend von Vers zu Vers und von Wort zu Won ganze biblische Bücher behandeln. Er kann ״kalaehiseh* sein und auch ״haggadisek“. Die ״Haggada“ ist diejenige Seite an der Tätigkeit der Rabbiner, die man vor allem als volkstümlich bezeichnen muss. Hier lehrt man das Volk, auch sich selbst, d. h. die Schriftgelehrten, die Schüler, in Gleichnissen, zieht Anekdoten als anschauliche Belege, als Beispielerzählungen heran, prägt Sentenzen, sittliche Aus- Sprüche, erzählt lehrreiche Erlebnisse und G e ־ schic h t e n. Das kann Spruchsammlungen ergeben, wie z. B. die ״Sprüche der Väter*. Es können über einzelne, hervorragende Rabbinen biographische Stücke überliefert werden, namentlich etwa über ihren Tod, ihre letzten Worte, Martyrien, Wundergeschichten, Fabeln, Traumbücher, Unterredungen mit Nichtjuden, f0 1kloristische Stoffe der verschiedensten Art können auf treten. Die ״Haggada“ ist stark volkstümlicher Natur. In der Synagoge war und ist der Schriftgelehrte der Prediger, namentlich am Sabbat. Die Parascken und Haphtaren wurden ausgelegt, über sie wurde und wird gepredigt. Der ״Midrasch“ hat so auch seine kultische Stelle. Es gibt z. B. in .der Pesiqta Reste solcher Predigten, namentlich Predigt-Proömien. Eine weitere kultische, volkstümliche Gattung der rabbinischen Literatur ist der T arg um, die Uebersetzung der biblischen Bücher in die

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