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Jeschurun · 1924-09-01 · Heft 9-10 (September 1924) · p. Seite 460

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 9-10 (September 1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 460 (sequence 72)
Language
German
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460 Wandlungen der hebräischen Aussprache das Bild der ganzen Sprache beherrscht, indem sich unbewusst die für sie gültige Art des Bewertens der Vokale auf die übrigen Silben überfragt. Auf diese Art־ mag man es erklärlich finden, dass der diesem Systeme folgende Sefardi keine Diphthonge spricht, dagegen überall die Konsonantenverdoppelungen deutlich hörbar hervorbringt; denn beide Gewohnheiten sind Lebensbedingungen der Vortonsilbe. Diese weder übersichtlich noch gar erschöpfend zu sein beabsichtigende Darstellung des organischen Zusammenhangs zwischen Akzent und Laut bei den Sefardim soll zunächst genügen, um für das Aschkenasische eine ähnliche Möglichkeit organischen Verstehens zu ermöglichen. So fein verästelt und so durchgeistigt das erstere System zu sein scheint, so urwüchsig und so kraftvoll seinem Zwecke, der Verständigung des Hörenden dienend, bietet sich das Letztere dar. Es war vielleicht eine geschichtliche Notwendigkeit, dass die schriftliche Tradentin des grammatisch-differenzierenden. Systems, die babylonische Punktation verloren gehen musste, und dass andererseits das für den unformalistischen Stammsilbenbetoner geschaffene tiberische Punktationssystem am Leben geblieben ist. Ist anstelle der wohltemperierten Vortonsilbe eine bedeutungsvoll kräftige Stammsilbe im Bewusstsein des Sprechenden vorhanden, so erwacht auch jede sonstige Eigenheit des Wort Stammes zu neuem Leben. Da kann nicht die mittlere Silbe von בכורי gleich der von בכרי (»in einem Haufen“) lauten. Man weiss vielmehr zuerst vom Worte ,״) בדsow) chau, — man weiss von bechäur, — becbäuri! *Man hat beim Vergleichen des frz. etoile mit lat. stella, pieds mit pes, engl, coine und nhd. Wein mit mhd. win oft das Gleichnis angewendet, es müsse, wie unter dem Sonnenstrahle die Blüte sich öffnet oder wie unter dem Hammerschlage das Gold sich breitlegt, so auch unter der Wucht des Tones der Vokal sich in seine Bestandteile zerteilen oder neue und wiedererwachende Vokalbestandteile des Wortstammes sich angliedern. Andere als offene Stamm-Tonsilben haben ursprünglich auch im Aschkenasischen keine Diphthonge. Man sprach nicht

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