Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 458 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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458 Wandlungen der hebräischen Anssprache die Wörter auf ihrer bedeutendsten Stammsilbe betont werden und dass diese Stammbetonung keineswegs etwa auf Deutschland oder sonstige stammbetonende Länder beschränkt sei. Auch erwies sich dieses Grundprinzip als ein gemeinsames beider Hauptzweige des Aschkenasischen, des altitalienisch-deutschenlitauischen und des griechisch-ungarisch-polnischen Zweiges. Daneben waren andere, minder bedeutende Gemeinsamkeiten sichtbar geworden: die Uebereinstimmung ihrer Laute mit dem herrschenden Punktationssystem, das Vorhandensein echter Diphthonge und das Spirieren des Tav rafeh etc. Es liegt nun nahe, die wichtigste dieser Eigenschaften, nämlich die Stammbetonung, im Gegensatz zur grammatisch differenzierenden oder auch zur absoluten Endbetonung anderer Gruppen, als die eigentlich wesenhafte Eigenheit des Aschkenasischen zu betrachten und den Versuch des Ableitens der minder grundlegenden Eigenschäften aus ihr zu wagen. Am klarsten ergibt sich aus der Stammbetonung das Abschleifen der Endsilben. So muss eine Silbe wie נו anders in נותן (naussen) als in מנ1ת (mones) klingen, ebenso nj anders in ,שוןד (schuwe) als in בהר (wöhor). Geläufig ist auch dem Aschkenasi meist nur das andere Betonungssystem, das der grammatisch differenzierten Endsilbe folgt. Ueber dieses muss, obwohl es für den Aschkenasi keine praktische Bedeutung, zuvor einiges Schulmässig-Bekannte gesagt werden, bevor wir die vokalbildende Wirkung der Stammbetonung richtig verstehen können. Ein Wort wie ברכה hat den ursemitischen Lautbestand: 1. Konsonanten b r k h, 2. Vokale 3 ״a“ hintereinander. Im Arabischen, welches schwebend betont, sind dementsprechend diese 3 Vokale einander gleich an Länge und Färbung vulgärarabisch: bäräkä) und keine ist irgendwie hervorzuheben. Die dem widersprechende Regel europäischer Grammatiken des Arabischen (auch des Ungarischen) ist bloss eine Mundgerechtmachung für solche Leser, die nicht ohne hervorhebende Betonung zu sprechen imstande sind. In der grammatisch differenzierenden Betonung der West-Sefardim muss das Wort klingen: beräkäh.