Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 456 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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456 Arthur Sakheim, Das jüdische Element usw. primiertesten Geist auf wenige Seiten, wie lässt er fazettenartig seine Wort- und Sprachkunst leuchten bei der Erfassung eines Poeten wie Jehuda Halevv, Gabirol, Heine (S. 126 f., ein Meisterstück!) Bialik! Wie liebevoll und mit nachschöpferischem Verständnis zeichnet er die Haskala, die Mystiker und die neuhebräische Dichterperiode, stellt er klug — abwägend kühne Zusammenhänge über Jahrhunderte nachfühlend her. Dies ist hohe Kunst, unerhört bisher in unsern Kreisen. So glänzend hat kein Grätz und kein Ludwig Geiger das Hohelied jüdischer Dichtkunst gesungen. Es 8011 allerdings nicht verschwiegen bleiben, dass bei dem eigenwilligen Subjektivismus des Verfassers manches Urteil kurz und einseitig ausfällt. Philosophie und Geschichte sind ihm keine Herzenssache, kein Wunder daher, dass er Bachjas Chowoss Halwowoss und Kusari in wenigen Zeilen abtut (S. 41) und für das grosse Geschichtswerk eines Seew Jaawitz wenig Verständnis aufzubringen weiss (S. 146). Manchem aphoristisch und gelegentlich Geäusserten wünschte man eine straffere Umrahmung, an manchen Stellen drängt die Beurteilung der hochgepriesenen Dichtung nach einer oder einigen Pr ob en, die der Verfasser wegen des allzu engen Rahmens grundsätzlich meidet, manchmal bedrückt die Fülle der Gestalten. Doch nirgends nennt er einen Namen ohne eine charakterisierende Note. Alles in allem eine geistfunkelnde, glänzend geschriebene, ungemein anregende, auch für den anspruchsvollsten Litteraturkenner genussreiche Essay-Sammlung, die sich zweifellos ihren Leserkreis bei Juden und Nichtjuden erobern wird. Für eine Neuauflage wäre ein Index und Schlagwörter-Verzeichnis dringend erwünscht, vielleicht auch kurze Uebersichten am Rande. Unsern Lesern empfehlen wir besonders das Vorwort des Buches zur Beherzigung. Schalhewess Jah, die Gottesbegeisterung, das religiöse Genie hat unsre Dichter und Grossen beseelt, und nur wer sich mit dieser Betrachtungsweise ihnen nähert, findet den Schlüssel zu ihrem innersten Gestalten und Schaffen.