Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 455 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Arthur Sakheim, Das jüdische Element usw. 455 durch die Epochen und Jahrhunderte, es ist durchaus subjektiv und selbstherrlich geschrieben, und dennoch folgen wir willig dem Verfasser, denn ״wo ihr’s packt, da ist es interessant“. Er weist uns milde, begütigende Wege, hebt uns empor auf Poetenschwingen und macht uns stolz auf unsere Geistesgeschichte und bewusst unseres Anteils am grossen Ablauf des Weltgeschehens und an der Gestaltung der Weltkultur. Schon der Titel des Buches besagt die Absicht des Verfassers: Sein Ziel ist, zu zeigen des jüdischen Volkes Genius, wie er durch alle Jahrhunderte den Völkern vorangeleuchtet, wie er als Befruchter und Keimspender dem Brahmanismus, Buddhismus und all den anderen Nebenbuhlern mindestens ebenbürtig, meistens überlegen, doch ewigjung und neuschöpferisch durch die Jahrtausende geschritten und insbesondere Europas Geistesgestaltung mehr als jede andere Geistesmacht Schicksalsentscheidend beeinflusst hat. Bibel und Talmud, Neues Testament und Koran, sie geben dem heutigen Europa Seele und Gepräge, Ideen und Formen. Und welches war der Jugendquell, aus dem das Judenvolk Macht und Anreiz zu seiner tausendfältigen Verjüngung trotz tausendfältiger Leiden gesogen? Nicht ihre unbestechliche Ethik, nicht ihr urewiges, unerfülltes Friedensideal liess sie diese Kraft finden, sondern die SchalhewessJah, die allen ihren Dichtern innewohnende Gottesflamme, die sie überallhin wie eine Himmelsleiter zu Gott mit sich trugen, die glühende Begeisterung, die stürmende, zehrende Sehnsucht nach Zion, das heimlich lodernde Feuer der Kabbalistik und Mystik brannte in ihrem Innern, Himmelsfeuer und Himmelsfriede waren es, die sich den Körper schufen. Da war keiner noch so gering, der nicht im Dienste des Höheren schuf, keiner, der um schnöden Goldeslohn oder Tagesruhm geschrieben. In sieben Vorträgen drängt der Verfasser einen encyklopädisehen Stoff um jüdisches Wissen und Wesen und Denken zusammen. Aber wie formt und ballt er mit Meisterhand die spröde Materie, wie charakterisiert er bald mit feinstem Pastellstift, bald mit wuchtigem Lapidarmeissei, wie bannt er kom-