Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 450 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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450 Untersuchungen über die Entwicklung usw. die jüdischen Setzer diesen Zweck ihrer Arbeit klar erkannten, sie als eine ״heilige Handlung״ ansahen und mit Stolz yon sich bezeugten, ״Arbeiter, die sich in Treue mit dem heiligen Werke beschäftigen״, zu sein14). In Erkenntnis der ״Heiligkeit״ der Handlung beteiligten sich nicht selten auch Frauen und Töchter des Druckherrn am Satz und Druck hebräischer Bibelexemplare, die ja als die ersten Werke aus den jüdischen Druckereien hervorgingen. Der eigentliche Zweck der Massora hatte also aufgehört. Und wenn man sich trotzdem in der zweiten Hälfte des 15. und ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts noch in althergebrachter Weise mit der Massora beschäftigte, 80 lag darin das Bestreben, den massoretischen Text in seiner genauesten Form ein für allemal festzulegen, um ihn dann durch den Druck für alle Zeiten zu sichern. Ausserdem war ein historisches Interesse vorhanden, welches mit wechselnder Intensität bis auf unsere Tage sich erhalten hat. Aber niemals hat die Massora ganz ihre Bedeutung für die Nachprüfung und Korrektur des massoretischen Textes verloren. Auch heute hat sie diese Aufgäbe noch. Die Wissenschaft über die Massora hat in unserer *Zeit vor allem das Ziel, als Hilfswissenschaft der Forschung über die hebräische Sprache zu dienen. Auf welche Weise sie dieser Aufgabe gerecht werden kann, ist in kleinem Masstabe in vorliegender Arbeit angedeutet: Jede grössere Massoraangabe hat ihre eigene Geschichte und zeigt zumeist Spuren der sich allmählich entwickelnden hebräischen Sprachwissenschaft. Wenn es gelingt, mit Hilfe reichsten Quellenmaterials, an Hand der verschiedenen, in den Massorawerken enthaltenen Rezensionen der einzelnen Massoraangaben deren genaue Entwicklung darzustellen — vor allem muss auch die Frage, welcher Zeit und Schule die verschiedenen Entwicklungsstufen angehören, Berücksichtigung finden —, so u) Cf., auch zum Folgenden, M. Brann, Geschichte der Juden und ihrer Literatur (Breslau 1899) S. 266.