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Jeschurun · 1924-09-01 · Heft 9-10 (September 1924) · p. Seite 433

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 9-10 (September 1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 433 (sequence 45)
Language
German
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Der Selbstäudigkeitsgrad usw. 433 Welch ein Lichtstrahl von der Sonne der prophetischen Religion Israels her! Ebensowenig können noch andere Momente der Kultur Israels absolut mit seiner religiösen Eigenart verknüpft werden. Das ist zunächst mit der Geschichtsanschauung der Hebräer der Fall. In ihren Geschichtsdarstellungen steht nämlich der Mensch durchaus als Persönlichkeit da, die selbst in letzter Instanz sich den Weg ihres Handelns bahnt. Ja, obgleich der hebräische. Geschichtsschreiber das ganze Gewebe des Geschichtsverlaufs vom Wissen der Gottheit umspannt sein lässt, ist lähmender Fatalismus ihm doch unbekannt. Wie deutlich zeigt sich dies schon an den Selbstermunterungen und Befehlen, von denen die hebräische Literatur förmlich widerhallt! Die Geschichtsanschauung der Hebräer ist also fern davon, den Menschen sozusagen nur als eine Zacke an dem Riesenschwungrad des Geschichtsprozesses zu betrachten. Diese letztere Anschauung ist neuerdings nicht einmal den Babyloniern mit Recht zugeschrieben worden1). Denn, um hier nur einen einzigen Gegenbeweis zu bringen, der König Samsuüuna spricht davon, dass *die Furcht vor dem Schrecken seines Königtums die Fläche des Himmels und der Erde bedeckte und deshalb die grossen Götter mit ihrem strahlenden Antlitz auf ihn blickten2״). Da ist also vom vorausgehenden menschliehen Tun eine Konsequenz in der göttlichen Sphäre hergeleitet. Aber die Babylonier haben doch eine Theorie von W eltzeitaltern auf den Verlauf der Geschichte angewandt. Denn der chaldäische Geschichtsschreiber Berossos hat die Periode der voTÜutlichen Könige mit 120 Saren (je 3600 Jahre) und die Periode von der grossen Flut bis zur persischen Eroberung Babyloniens mit zehn Saren (also 36000 Jahren) angesetzt. Diese schabionisierende Absteckung von Zeiträumen für die Wendungen der menschheitlichen Entwicklung ist von den Hebräern nicht angenommen worden, wie ja *) Von Hugo Winckler, Die babylonische Geisteskultur (1907), S. 116. 2) bei Eb. Schräder, Keilinschriftliche Bibliothek, Bd. III, 1, S. 32 f.

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