Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 431 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Selbständigkeitsgrad usw. 431 lebendigen und souverän dem Weltall gegenüberstehenden Gottesgeistes durchströmt wird. Dadurch ragt diese Dichtung nicht nur über die Epen und Hymnen der Babylonier mit ihrem bunt-vielgötterischen Hintergrund, sondern auch über die Dichtungen Homers und Hesiods empor. Wie voll ist dies z. B. von einem Universalgenie, wie es Alexander v. Humboldt war, anerkannt worden!*) Allerdings sind neben der Religion im Leben der althebräischen Kultur auch noch andere Kräfte wirksam. Vielleicht lässt sich das schon in bezug auf das mit der Religiosität nächstverwandte Gebiet der Moralität zeigen. Freilich war sie auch bei den Hebräern religiös orientiert, wie man schon am Aufbau des Zehngebots erkennt (2. Mos. 20, 2—17 u8w.), und aus dieser religiösen Wurzel sind sicherlich die meisten Feinheiten erwachsen, die man an der altisraelitischen Sittlichkeit bei ihrer Vergleichung z. B. mit der babylonischen bemerkt. Oder ist das etwa deshalb nicht der Fall, weil in den neueren Darstellungen nichts davon gesagt zu werden pflegt? Nun man blicke doch nur z. B. auf die Fremdengesetzgebung der Hebräer! In bezug darauf heisst es schon in dem auf das Zehngebot folgenden ältesten Gesetzeskorpus (dem ״Bundesbuch״): *Den Fremdling sollst du nicht quälen und nicht drücken״ (2. Mos. 22, 20). Oder in bezug auf die Behandlung des Gesindes schreibt schon dasselbe alte Gesetzbuch (21, 26): ״Schlägt einer seinen Knecht ins Auge, dass dieses verloren geht, so soll er ihn für sein Auge freilassen.״ In dem altbabylonischen Gesetzbuche Hammurapis ist nur von der Verletzung des Auges eines fremden Knechts die Rede und wird die Zerstörung nur mit Geldstrafe bedroht (§ 199). Wenn aber auch sogar in den angeführten hohen Moralforderungen Israels nur der Einfluss der besonderen Gottangehörigkeit dieses Volkes ausstrahlen sollte, so höre man zunächst noch folgenden Ausspruch: ״So נ) In seinem ״Kosmos*, Bd. II (1847), S. 45f. rühmt er den Psalter als einen ״Reflex des Monotheismus, der das Ganze des Weltalls in seiner Einheit, sowohl das Erdenleben als auch die leuchtenden Himmelsräume auf sich wirken lasst.״