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Jeschurun · 1924-09-01 · Heft 9-10 (September 1924) · p. Seite 430

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 9-10 (September 1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 430 (sequence 42)
Language
German
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480 Der Selbständigkeitsgrad usw. behielt! Welche zarte Eigenart liegt auch z. B. in der völligen Erhabenheit des israelitischen Gottesgedankens über die sexuelle Differenzierung in der Spare des Göttlichen, sodass die hebräische Sprache nicht einmal ein Wort für ״Göttin״ besitzt! Oder kann der Zarathustrismus mit dem Mosaismus in Bezug auf die Idee von der Einheit und Geistigkeit der Gottesvorstellung rivalisieren? Nein, auch die persische Religion schritt mindestens zum Dualismus zweier Prinzipien fort, und während in Israel die Bildlosigkeit des Kultus auch sogar bei der Volksmasse später zum anerkannten Grundgesetz wurde — Wer sieht nicht die Tausende vor Petronius flehend auf den Knien liegen, damit er die Caligula- Statue nicht nach Jerusalem bringen lasse? —, sind die Perser im Gegenteil von der Verwerfung der Gottesbilder, die ihnen z. B. von Herodot bezeugt wird, zur bildlichen Darstellung von Göttern fortgeschritten1). Oder um nur noch ein Moment hervorzuheben, anderwärts hat der Verlust der politischen Unabhängigkeit auch den Untergang des Volkes als eines kulturgeschichtlichen Organismus nach sich gezogen, wie sich z. B. an den Hellenen zeigte; aber bei Israel ist die Religion das Lebensmark gewesen, das die Existenz des Volkes über die politische Zertretung hinaus gefristet hat. Soweit nun das Kulturleben der Hebräer von den Strahlen jenes eigenartigen Erlebnisses, in eine spezielle Beziehung zur wahren Gottheit gesetzt worden zu sein, durchleuchtet und durchwärmt worden ist, besitzt die betreffende Seite am israelitischen Kulturleben auch selbst den Vorzug der Eigenartigkeit. Wie voll könnnte dies, wenn es noch einer Voranschaulichung bedürfte, z. B. an der nach ihrer formalen Selbständigkeit schon betrachteten Poesie Israels illustriert werden! Denn weshalb nimmt die hebräische Dichtung innerhalb aller poetischen Literaturprodukte des Altertums in inhaltlicher Beziehung die hervorragende Stellung ein, die ihr auch in neuerer Zeit von den grössten Geistern zuerkannt worden ist? Weil sie vor allem von dem Glauben an die Existenz eines נ) Die Quellenbelege finden sich a. a. O., 8. 129 f.

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