Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 429 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Selbständigkeitsgrad usw. 429 mit vollem Rechte anerkannt wird, welche, wie z. B. die Kaiser Claudius (im Jahre 52) und Vespanian, die chaldäischen Astrologen des Landes verwiesen haben, so möge man doch auch dies nicht ganz vergessen, dass die Fahnenträger der hebräischen Kultur längst vorher über die Astrologie erhaben waren und von den Sternguckern und Himmelsteilern der Babylonier nur mit heissender Ironie (Jes. 47,13; Jer. 10,1 usw.) gesprochen haben. IV. Nun aber muss sogleich die religiöse Anschauung der Hebräer als ein Moment ihrer geistesgeschichtlichen Stellung ins Auge gefasst werden. Denn wenn sie auch nicht vollständig alle noch übrigen Seiten des israelitischen Kulturdaseins beherrscht, so ist sie doch der tiefste Quellpunkt für dasselbe gewesen. Ja, was nur immer bei einer einzelnen Persönlickeit das emporhebende Bewusstsein der Zugehörigkeit zu einem erlauchten Abstammungskreise wirken kann, das ist bei der Nation Israel aus der Brunnenstube hervorgequollen, die den Ausgangspunkt seiner besonderen Religion gebildet hat: der erst prinzipielle und dann entfaltete Monotheismus; die grundsätzliche Geistigkeit des Gotteskultus mit ihrem lauten Protest gegen die Gottesbilder; die Erhabenheit über die Wahrsagerei und Zauberei; der Abscheu vor religiöser Prostitution und jeder Art von orgiastischer Sinnenbefriedigung beim Gottesdienste; das hohe Bewusstsein von der Bestimmung, den in der wahren Religion eingeschlossenen Segen der klar als Einheit aufgefassten Menschheit bringen zu sollen1). Als was für eine einsame Grösse stellt sich doch diese Seite an der Kultur Israels dem vergleichenden Auge bei jedem erneuerten Blick auf die damalige Umwelt dar! Wie leuchtet doch der Gedanke an dem einzigen wahren Gott der Welt auf der Folie des Polytheismus, der auch an den Ufern des Nils, wie an denen des Euphrat und Tigris die Herrschaft 2) Mit allen Belegen voll entfaltet in ״Theologie des Alten Testaments kritisch und vergleichend dargestellt1923) ״), S. 25—28 usw.