Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 427 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Selbständigkeitsgrad nsw. 427 Josephs Erniedrigung und Erhöhung (Kap. 39 ff.)? Wie laut die lebensvollen Darstellungen einer von mannigfaltigem Kräftespiel erfüllten Wirklichkeit zur Zeit Davids (2. Sam. 9—20 usw.) auch von kompetentesten Forschern auf dem Gebiete der Profangeschichte anerkannt worden sind1), brauche ich nicht zu wiederholen. III. Aber wird Israels kulturgeschichtliche Höhenmarke nicht umsomehr herabsinken, wenn wir nach seinen Leistungen in bezug auf den Betrieb der Wissenschaft fragen? Indes mancher ,,Wissenschaft״ des Altertums gegenüber ist auch die ablehnende Haltung ein rühmenswerter Akt der Selbständigkeit. Oder hat es eine ,Wissenschaft der Astronomie״ schon zu der Zeit, wo das Volk der Hebräer zu weltgeschichtlichem Leben emporwuchs, also in den nächsten Jahrhunderten nach Moses Zeit, drüben am Euphrat und Tigris gegeben? Diese Frage ist ja freilich neuerdings von mancher Seite her bejaht worden. Aber die Sache scheint mir doch folgendermassen zu liegen. Gewiss haben sich zu Babylon und Ninive viele Sinne und Gedanken damit beschäftigt, aus der Beobachtung der am Lufthimmel sich zeigenden Phänomene ein Weltbild zu konstruieren und aus den regelmässigen oder aussergewöhnlichen Erscheinungen am gestirnten Firmament den Willen von Göttern zu erforschen. Dabei hat man insbesondere das zeitweilige auffallend enge Zusammentreten von Sternen * und die Verfinsterungen von Mond und Sonne notiert, wie z. B. die für Ninive totale Sonnenfinsternis vom 15. Juni 763. Auch hat man in Babylonien gewiss ziemlich früh einen Ausgleich zwischen dem Mondmonat und dem ungefähr richtig beobachteten Sonnenjahr durch eine primitive Einschaltungsmethode (öftere Einschiebung eines dreizehnten Monats) herzustellen gewusst2). Sodann die zwölf Stationen des Tierkreises hat man unterschieden und diesen in zwölfmal dreissig Grade zerlegt. Aber schon betreffs dieser *) Ed. Meyer, Geschichte des Altertums I (1913), § 131 usw. 2) Ed. Mahler in der Deutschen Literaturzeitung (1911), Sp. 2632»