Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 425 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Selbständigkeitsgrad usw. 425 berges intermittierend sprudelnden Tempelquelle durch den Ophel hindurch in einem Stollen nach dem Südwesten leitet 1)0 Es war doch eine ganz respektable Leistung, einen Berg hundert Ellen unter seiner Oberfläche in einer Strecke von zwölfhundert Ellen so zu durchgraben, dass die von beiden Seiten her vordringenden Arbeiter doch schliesslich zusammentrafen. Die Genugtuung der Männer, die dieses Werk geplant und hinausgeführt hatten, kam mit Recht darin zum Ausdruck, dass sie an der Stelle, wo ״Hacke auf Hacke traf״, an der Wand die Inschrift anbrachten, die unter dem Namen ״Siloah-Inschrift“ bekannt geworden ist. Im Gebiete der Dichtkunst zeigt sich gewiss eine formelle Aehnlichkeit zwischen der hebräischen und andern Literaturen. Denn der sogenannte Parallelismus membrorum, eine Aneinanderreihung von Sätzen, die der Darstellung teils die Harmonie zusammenklingender Töne und teils den malerischen Effekt von kontrastierenden Farben verleiht, begegnet auch in babylonischen, wie allerdings auch in ägyptischen und andern Dichtungen2). Auch Anzeichen des akzentuierenden Rhythmus der althebräischen Poesie hat man in den Keilschrifttexten gefunden, indem man senkrechte Striche zwischen den einzelnen Hebungen samt den dazu gehörigen Senkungen beobachtete3). Indes erstens braucht trotzdem keine mechanische Abhängigkeit der hebräischen Dichtkunst von der anderer Nationen vorzuliegen, da es sich bei den erwähnten Zusammen- Stimmungen gewiss um Parallelerscheinungen handeln kann. Zweitens ragt die hebräische Poesie auch schon in formaler Hinsicht über die babylonisch-assyrische hinaus, insofern in dieser bis jetzt kein Drama gefunden worden ist, während die Hebräer J) Er wurde unter König Hi skia (2. Chron. 32,30) erbaut oder nach neuerdings gemachten Funden (Jirku, Altorientalischer Kommentar 1923, 183) nur wieder hergestellt. 2) Diese Erscheinung wird richtiger ״ideelle Eurhythmie“ genannt und ist mit Erörterung aller neuesten Fragen in meiner ״Hebräischen Rhythmik“ (1914), S. 11—15 behandelt. *) Hnr. Zimmern in der Zeitschrift für Assyriologie (1894), 8.1 f. 24. 3