Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 412 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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412 Der Witebsker Prozess usw. keine Bettelmönche abrichten, die der Erde Valet sagen, und keine Säulenheiligen, denen diese Welt des Satans ist. Die ideale Chederschule, der kein Zarengesetz mehr im Wege steht, wird aber eben aus diesem ihrem innersten Wesen heraus die unnatürliche Trennung von profaner und religiöser Wissenschaft über den Haufen werfen, wie ihn der Talmud nicht kannte, wie er dem Judentum in der Seele fremd und verhasst ist. Fertigkeiten und Kenntnisse, die das Leben der Kultur erheischt, werden io ihr nicht Fremde, nicht Gäste, sondern eingeborene Kinder sein, die legitim in ihrem Programm eine Stelle haben. Es wird eine der vornehmsten Aufgaben für die Pädagogik des Zukunfts-Cheders sein, das harmonische Zusammenleben aller ihrer Kinder, die rationelle Verteilung der Fächer zu regeln. Selbst die These der Sowjetpädagogik: dass alles in der Muttersprache zu lesen ist, kann von ihr cum grano salis übernommen werden. Gerade darin ist der Kampf des Witebsker Vertilgungsgerichts gegen die Chederpraxis am ungerechtesten. Alle Chadorim und Jeschiwoth lehren bis heute alles, rein alles durch das Medium des Jiddischen, der Muttersprache. Aber damit ist durchaus nicht gesagt, dass nicht dem jüdischen Kinde allmählich, schrittweise, mit der weisen Folgerichtigkeit des Pädagogen die hebräische Sprachwelt zu einer zweiten Muttersprache, zur Sprache der ewigen Heimat des Judenvolkes wird. Wie dies zu geschehen hat, ist lediglich eine methodische Frage, die ebenso schwer und leicht ist wie die jeden sprachlichen Unterrichts. Denn das muss betont werden: was mit dem Chederwesen durchaus nicht prädestiniert, determiniert ist, das ist die Methodik. Das Beste, was in dieser Hinsicht die Erziehungswissenschaft entdeckt und nutzbar macht, ist für sie grade gut genug. Ob mit den didaktischen Mitteln der Arbeitsschule oder der früheren Lern- und Wissensschule, ob mit der Uebersetzungsmethodik oder in Anlehnung an die Be rlitz-School, die die Sprachen lebend an den Schüler heranbringt, das hat