Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1924)
- Date
- 1924-09-01
- Page
- Seite 409 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293027-2293032--07184-2300466- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Witebsker Prozess usw. 409 den Merkmale, nötigen zur Reform, nicht zum Umsturz. Hätte die russische Räteregierung das getan, hätte sie der gläubigen Judenbeit die Hand zur Hilfe geboten, materielle Mittel und die Autorität des Staates zur Verfügung gestellt, um gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten das Chederwesen zu reorganisieren, hätte sie die notwendige Diagonale, den Kompromiss zwischen den unabweisbaren Ansprüchen des Staatsganzen und den im ewigen Urrecht der Eltern begründeten Forderungen auf ihnen gemässe Erziehung gesucht und erstrebt, der Jubel, der unauslöschliche Dank aller Juden traditioneller Gesinnung wäre ihr gewiss gewesen. Das und nichts anderes war auch der mehrfach wiederholte Antrag der Verteidigung, die dadurch das einzig objektive Fazit der Verhandlungen gezogen hatte. Zu solcher Selbstverleugnung, zu solcher Staatsweisheit, die das Wertvolle schont und das Kranke beseitigt, waren die Vertreter der Revolution ä tout prix, der Zerstörung als Selbstzweck nicht fähig. Es ging ihnen auch um die Idee des Cheder. Sie wollten seine äusseren Mängel zwar gerne als logische Produkte seines Wesens hinstellen, aber das gelang ihnen nicht. Aber selbst die ideale Chederschule, die vom Rost und Staub der. Zeiten gereinigte, selbst die soll nach dem Spruch der Witebsker Tribunen nicht geduldet werden können. War diese ablehnende Haltung berechtigt und wie ist sie motiviert? Wir fühlen uns zur Beantwortung, zu gesonderter Beleuchtung dieser Frage verpflichtet, wollen daher die Idealchederschule als solche behandeln. III. „Seit 3Ö Jahren habe ich den Cheder bekämpft, jetzt bin ich sein Verteidiger geworden“, so begann der Verteidiger Sachs sein Plädoyer. Den empirischen Cheder, dieses Stiefkind der Schulfürsorge, den goluskranken Cheder haben viele bekämpft, weil sie im Herzen ein anderes Bild von Stätten der Jugenderziehung trugen. Was sie verteidigen, ist der ideale Cheder, ist der Cheder der Zukunft, der Cheder der freien, starken,