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Jeschurun · 1924-09-01 · Heft 9-10 (September 1924) · p. Seite 399

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 9-10 (September 1924)
Date
1924-09-01
Page
Seite 399 (sequence 11)
Language
German
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Der Witebsker Prozess usw. 899 glückenden Sowjetphilosophie, als die Fetzen des zerlumpten Chedergewandes, einer Prinzessin im Bettlerkleide, vorzusuehen und damit der religiösen Weltauffassung den Makel der Niedertracht und Minderwertigkeit aufzudrücken. Seht, in solchen Schulen wolien die „Frommen“ eure Jugend verkümmern lassen! Das ist der letzte Sinn des grossen Schauspiels von Wifcebsk, wo man, um den jüdischen Gott und die jüdische Lehre zu verunglimpfen, langatmige unterrichfcliche Referate und Theorien, Berichte und Gutachten vortragen und erörtern liess, als wenn es sich um eine pädagogische Konferenz und keine Weltanschauungsfrage handelte. Oft, wird besonders gern von der an griffslustigen Anklagebehörde die Maske abgeworfen, um in irgend einem absichtlich missverstandenen rituellen Gebote, einem grobsinnlich genommenen allegorischen Ausspruch der Weisen, oder an dem kindischen Aberglauben alter Weiber die Religion selbst voll hochmütigem Sarkasmus und mit billigem Witze vor das Forum der So'wjeirichter zu ziehen. Nach diesen Diskussionen zu schliessen, steht in der Bibel, dem Grundbuch der Keuschheit und der Sittlichkeit nichts anderes als: „Timna war das Kebsweib des Elifas“, alä schlüpfrige Geschichten voll sexueller Zweideutigkeit [wie die von den Töchtern Lot’s], enthält die heilige Schrift, die einzige religiöse Lehre, welche die Gleichheit aller Menschen als Geschöpfe der Gottesehenbildlichkeit und als Kinder des messianischen Welterlösungsreiches ausspricbt, nicht anderes als Lehren der Grausamkeit; und Menschenverachtung gegen andere Völker. Nach den Kostproben aas der Küche der Ankläger Chrapkowski undKrasinski ist der Talmud, diese Fechtersehuie des Scharfsinns, mit einem Male nichts anderes als ein Sammelsurium von Schrullen und gedanklicher Plumpheiten; ist das Buch der Psalmen nur ein Mittel der Gesundbeterei, weil jüdische Frauen in den Nöten der Geburtswehen einen der herrlichen Stufengesänge sprechen. Nach der Geschichtskliüerung dieser Sachwalter des Bolschewismus war die Fernhaltung der profanen Lehrgegenstände nicht ein aufgezwimgeuer Misstand, vielmehr arbeitete die russische Regierung damit im Sinne und im geheimen Einverständnis mit

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