Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1924)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1924)
- Date
- 1924-07-01
- Page
- Seite 389 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2292929-2293027-2293031--07136-2300418- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mussarbücher 389 Idee durch die nationalistischen Intellektuellen über die Gefahren, die durch die Anbeter der Organisation als Selbstzweck heraufbeschworert wurden, die Kritik der Wirksamkeit Martin Bubers, all das wird man — einige Punkte ausgenommen — mit Zustimmung lesen. Uns interessiert naturgemäss vor allem seine Stellung zum thoratreuen Judentum. ,Ich lege hier mit lauter Stimme das Bekenntnis ab, dass es heute keine Richtung in unserem Judentum gibt, der so meine Ehrfurcht und so meine werbende Liebe gilt. Sie, die Gesetzestreuen, haben bis heute immer noch mehr als die andern. Sie haben die Thora, den grossen ewigen Stoff des Religiösen, das heilig Gegebene, an dem ihr Wesen sich erproben kann und erprobt. Sie haben sie als offenbartes Gesetz, dessen Spiegelung der Gehorsam ist, in dem ihre Demut sich bewährt; haben sie als Ueberlieferung, deren subjektive die Ehrfurcht ist, der gesunde Konservatismus, der die Ueberlegenheit des Charakters die Freiheit der Seele verbürgt.“ Es ist wohl das Bedrückendste, das wir bei der Lektüre dieses Buches erlebt, dass der Vf., der — wir haben darum sein Bekenntnis hier wörtlich zitiert — mit einer Hingabe ohne Gleichen beim thoratreuen Judentum die Rettung sieht, auch hier verzweifelt sein Aber hinzufugt. Es beweist, dass das thoratreue Judentum Deutschlands es nicht verstanden hat, ihm den Juden in seiner Vollendung zu zeigen, dass er an unseren Gesetzestreuen nicht erkannt hat, dass ,die religiöse Form Leib und Gestalt des Religiösen selbst/ dass sie nicht bloss Panzer und Kleid ist. Ueber alle anderen Vorwürfe könnte man sich mit ihm auseinandersetzen, dass es uns bloss gelungen, uns vor der Einverleibung zu schützen, nicht aber wie die Zeiten Saadjas, Halevis, Maimunis das Fremde uns einzuverleiben. Es sind schöne Worte, wenn er an das thoratreue Judentum der heutigen Zeit die Forderung stellt, das Erbe früherer Zeiten zu wahren, ״die Macht, mit jüdischer Hand die ganze Welt mit ihren Strömungen, Kräften, Tendenzen da draussen zu packen, der Wille und die Macht, sie umzugiessen in die jüdische Form.* Eine Antwort müsste tief hineinfuhren in das Problem von 6