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Jeschurun · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 388

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 388 (sequence 82)
Language
German
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388 Mussarbücher Noch gab es ein allerletztes in diesem Juden, das wie ein Zauberreif sein Wesen umspannte, trotz der Brüche und Breschen, die Rationalismus und Materialismus in sein seltsam gestaltetes Sein geschlagen: sein Schicksal. Seine Feinde sorgten dafür. Aber auch dieser sein Schicksalsglaube brach zusammen, als der Groll in sein Leben trat. Der mittelalterliche Jude liebte sein Schicksal, wie immer es war, weil Gott es ihm bereitet. Diese Liebe musste vergehen, als die religiöse Lebensform zusammenbrach, und an Stelle der Schicksalsfreudigkeit des Ghettojuden trat der Schicksalshader, der heute des Zeitjuden eingebrannter Stempel ist. So entstellte und verbog sich der Charakter des Juden, er verlor das Letzte, was den Menschen zum Menschen macht, das Bewusstsein des Eigenwertes, die Würde. So schleicht der neue Jude als ein wesenloser Schatten durch die Zeit, bei jeder Suche ist er dabei, in jeder Bewegung schwingt er mit, nur sich selbst sucht er nicht mehr: Er ist sich selbst entsprungen, jagt hinter dem eigenen Schatten und greift ihn nicht. Er glaubt an die Bildung, er glaubt an den Fortschritt, er glaubt an alle und alles, nur an ein anderes jeden einzigen Tag. Ein einziges bleibt, woran er nicht mehr glaubt: An sich selbst, sein Schicksal und seine jüdische Welt. Soweit der erste Teil des Buches: die Kritik des zeitgenössischen Judentums. Unsere Inhaltsangabe gibt freilich kaum einen Schimmer der Glut, in die die Darlegungen des Vf.’s getaucht sind. Ebensowenig von der Fülle der Gedanken, die hier verschwenderisch ausgestreut sind. Mit einem Feuer und einer Inbrunst, wie es nur das eigene Erleben einem starken und reichen Geiste gibt, ist hier dem Hause Jakobs seine Sünde gekündet von Einem, der mit seinem Herzblut schreibt und an seiner Rückkehr sein ganzes Volk teilnehmen lassen will. Im zweiten Teil setzt sich der Vf. mit den beiden Mächten im Judentum auseinander, die, wie er meint, allein zukunftsträchtig, dem Volke seine Ewigkeit wahren können, mit dem Zionismus und dem gesetzestreuen Judentum. Was hier über Herzl gesagt wird, über den ursprünglich religiösen Charakter der zionistischen Bewegung, über die Verfälschung ihrer Grund-

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