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Jeschurun · 1924-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1924) · p. Seite 387

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1924)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1924)
Date
1924-07-01
Page
Seite 387 (sequence 81)
Language
German
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Mussarbüeher 387 weis erbrachte, dass sein Judentum mit der Vernunft vereinbar, dass es zeitgemäss sei, hatte kein lebendiges Judentum mehr, und ein Leopold Zunz sagte: ״Reformieren heisst das wahrhaft Zeitgemässe auf den Thron erheben״. Und so ging er herab bis auf unsere Zeit im Gottesdienst, in der Erziehung der Kinder, der Kampf gegen die Form, gegen das wahrhaft Jüdische im Menschen, dass der jüdische Intellektuelle zum Typ dessen werden konnte, dem Schafsinn, Witz und Temperament nur dazu dient, ziel- und zwecklose Geistigkeit an der Welt des Ueberlieferten zu erproben. Und die schlechten Drei unseres Jahrhunderts, die Verkehrungen in Geld, Liebe und Volk sind auch an dem Juden nicht vorübergegangen. Freilich, wenn das Geld für den Juden eine solche Bedeutung gewann, wer will es ihm verargen, da es doch eine so schauerliche Rolle in seiner Vergangenheit spielte, er es nur als Lösegeld kannte und Freiheit und Leben nur ihm allein verdankte. Doch es war ihm nur ein Mittel geblieben, sein Haus blieb rein vom Fluch des Geldes, alles Rennen, Raffen und Schaffen, aller Erwerb soweit er ihm blieb, stand im Dienste des Sabbath. Aber als die Zeit des Materialismus kam, da rächte sich diese Disposition für den Gelderwerb, auch er wurde praktisch und das Mittel wurde ihm zum alleinigen Zweck. Und mit der Hingabe an das Geld war das Judentum auch unrettbar dem modernen Sexualismus verfallen. Wird das Weib dem Manne eine Spekulation, dann hört die Keuschheit auf eine jüdische Tugend zu sein, der Zauber jüdischen Familienlebens zerbrach. Und ebenso hat der Jude die Lösung von seinem eigenen Volke und damit von seines Blutes bestem Leben vollzogen. Der Gegensatz von Ost und West, der alten Zeit fremd, ist gerade dafür charakteristisch. Die Philantrophie kam auf, die, weil sie sich mit dem Bruder nicht eins weiss, das Mitleiden durch Gaben ersetzt und die Solidarität tötet, an die Stelle der Bruderliebe den Bruderhass setzt. Und all die sentimentalen Verhätschelungen der Ostjuden in Literatur und Leben, sie sind in Wahrheit nur ein Zeugnis dafür, dass man sich vom Volke nach innen und nach aussen gelöst hat.

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